Falten im Gesicht sind keine einheitliche Erscheinung, sondern das Ergebnis von Mimik, Sonne, Schwerkraft und Zeit, die an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich stark wirken. Deshalb hilft auch nicht jedes Mittel gegen jede Falte. Wer weiß, mit welcher Art Falte er es zu tun hat, spart sich teure Cremes, die dort gar nicht ankommen, und erkennt, ab wann nur noch eine ärztliche Behandlung etwas verändert.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Wende dich bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zu deiner Ernährung und Fitness stets an eine qualifizierte Fachkraft.
Wie Falten im Gesicht entstehen
Falten entstehen, wenn das Stützgerüst der Haut nachlässt und die Oberfläche der darunterliegenden Bewegung nicht mehr glatt folgen kann. Dieses Gerüst besteht vor allem aus Kollagen, das der Haut Festigkeit gibt, und Elastin, das sie nach jeder Dehnung wieder zurückschnellen lässt. Schon ab Mitte zwanzig bildet der Körper weniger Kollagen nach, als er abbaut. Als grober Richtwert gilt ein Verlust von etwa einem Prozent pro Jahr.
Gleichzeitig baut sich das ganze Gesicht um, nicht nur die Haut. Die Fettpolster unter der Haut schrumpfen und verlagern sich nach unten, der Knochen an Augenhöhlen und Kiefer bildet sich leicht zurück, und die Haut selbst wird dünner und trockener. Die Talgdrüsen produzieren weniger Fett, die Feuchtigkeit in den oberen Hautschichten sinkt. Das erklärt, warum manche Falten weniger mit der Haut selbst zu tun haben als mit dem Volumen darunter.
Bei Frauen kommt ein hormoneller Einschnitt hinzu. Mit den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, und Östrogen ist an der Kollagenbildung beteiligt. In den ersten Jahren nach der Menopause verliert die Haut deshalb besonders schnell an Dichte, und viele Frauen bemerken in dieser Zeit, dass Falten im Gesicht innerhalb weniger Jahre deutlicher werden. Und auch die Gene reden mit. Hauttyp, Dicke der Haut und die Neigung zu bestimmten Falten werden zum Teil vererbt, weshalb Geschwister oft an denselben Stellen Falten bekommen.
Von außen wirkt nichts so stark wie die Sonne. Eine Untersuchung an mehreren hundert Frauen (Flament et al., 2013, Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology) schätzte, dass rund 80 Prozent der sichtbaren Alterungszeichen im Gesicht auf UV-Strahlung zurückgehen. UV-Licht zerstört Kollagen und aktiviert Enzyme, die es zusätzlich abbauen. Die Haut repariert diese Schäden nur unvollständig, und mit den Jahren summieren sie sich zu dem, was wir als vorzeitige Hautalterung sehen.
Mimikfalten, Schwerkraftfalten, Sonnenfalten
In der Dermatologie unterscheidet man drei Arten von Falten, und jede braucht einen anderen Ansatz. Welche Art du vor dir hast, siehst du oft schon, wenn du das Gesicht vor dem Spiegel entspannst und wieder anspannst.
- Mimikfalten, auch dynamische Falten genannt, entstehen durch wiederholte Muskelbewegungen. Typisch sind Stirnfalten, die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen und Lachfältchen an den Augen, die sogenannten Krähenfüße. Anfangs sieht man sie nur bei Bewegung, später graben sie sich auch in Ruhe ein.
- Schwerkraftfalten, auch statische Falten, entstehen durch Volumenverlust und erschlafftes Gewebe. Dazu gehören die Nasolabialfalten von der Nase zu den Mundwinkeln und die Marionettenfalten vom Mund zum Kinn.
- Sonnenfalten, auch aktinische Falten, sind feine, netzartige Knitterfältchen auf Wangen, Hals und Dekolleté. Sie sind ein direktes Zeichen langjähriger UV-Belastung und treten oft zusammen mit Pigmentflecken auf.
Hinzu kommen Trockenheitsfältchen. Sie sind keine echten Falten, sondern feine Linien in ausgetrockneter Haut, die nach einer reichhaltigen Pflege oft innerhalb von Stunden verschwinden. Wer zu trockener Haut neigt, findet in unserem Artikel zu trockener Haut im Gesicht passende Pflegetipps. Wer sie für die ersten Falten hält, greift schnell zu teuren Anti-Aging-Produkten, obwohl eine gute Feuchtigkeitscreme genügen würde.
Was Cremes leisten können und was nicht
Pflegeprodukte können feine Linien und Sonnenfalten verbessern, tiefe Mimik- und Schwerkraftfalten aber nicht glätten. Der Grund ist einfach. Eine Creme wirkt in der Haut, die Ursache einer tiefen Falte liegt aber in den Muskeln oder im Volumen darunter. Sortiere die Wirkstoffe deshalb nach der Stärke der Belege, nicht nach dem Werbeversprechen auf der Packung.
- Retinoide sind am besten untersucht. Sie regen die Kollagenbildung an und bremsen dessen Abbau. Eine kontrollierte Studie mit 0,4 Prozent Retinol an älterer Haut (Kafi et al., 2007, Archives of Dermatology) zeigte nach 24 Wochen deutlich weniger feine Linien. Wie lange es bis zu sichtbaren Ergebnissen dauert, beschreibt unser Artikel zu Retinol vorher nachher.
- Vitamin C ist ein Antioxidans, das UV-Schäden abfängt und die Kollagenbildung unterstützt. Die Studien sind solide, der Effekt fällt aber kleiner aus als bei Retinoiden. Welche Form und Konzentration sinnvoll ist, erklärt unser Ratgeber Vitamin C für die Haut.
- Peptide und Niacinamid zeigen in kleineren Studien positive Effekte auf Elastizität und feine Linien. Die Belege sind dünner, dafür verträgt fast jede Haut diese Stoffe.
- Hyaluronsäure bindet Wasser und polstert die Haut für einige Stunden auf. Linien wirken dadurch flacher, am Kollagen ändert sich aber nichts. Der Effekt verschwindet, sobald du das Produkt weglässt.
Über die Wirkung sagt der Preis erstaunlich wenig. Ein Retinol-Serum aus der Drogerie kann mehr bewirken als eine Luxuscreme, die vor allem Duftstoffe und Pflanzenextrakte enthält. Entscheidend sind Wirkstoff, Konzentration, eine lichtgeschützte Verpackung und die Geduld, ein Produkt mindestens drei Monate lang regelmäßig zu benutzen.
Rund um die Augen gelten eigene Regeln. Die Haut ist dort nur etwa halb so dick wie an der Wange, hat kaum Talgdrüsen und reagiert empfindlicher auf Retinoide. Eine eigene Augencreme ist nicht zwingend nötig, ein mildes Retinol in niedriger Konzentration, sparsam und mit etwas Abstand zum Lidrand aufgetragen, wirkt dort ebenfalls. Wer zu Reizungen neigt, startet mit einer Anwendung pro Woche. Gegen dunkle Augenringe und Schwellungen helfen Retinoide allerdings kaum, denn diese haben meist andere Ursachen wie durchscheinende Gefäße, Veranlagung oder Wassereinlagerungen.
Sonnenschutz als stärkstes Mittel gegen Falten
Täglicher Sonnenschutz ist die am besten belegte Maßnahme gegen Falten im Gesicht, noch vor jedem Wirkstoff. Den deutlichsten Beweis lieferte eine Langzeitstudie aus Australien (Hughes et al., 2013, Annals of Internal Medicine). Über 900 Erwachsene unter 55 Jahren wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine trug viereinhalb Jahre lang täglich Sonnencreme, die andere nur nach Belieben. In der Gruppe mit täglichem Schutz zeigte die Haut am Ende der Studie keine messbare zusätzliche Alterung, während sie in der Vergleichsgruppe weiter fortschritt.
Für den Alltag heißt das, jeden Morgen einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30, besser 50, aufzutragen, auch im Winter und an bewölkten Tagen. UVA-Strahlung, die hauptsächlich für die Hautalterung verantwortlich ist, dringt durch Wolken und Fensterglas. Achte auf ein Produkt mit ausgewiesenem UVA-Schutz, erkennbar am UVA-Logo im Kreis.
Der Sonnenschutz ist außerdem die Voraussetzung dafür, dass Retinol und andere Wirkstoffe überhaupt etwas bringen. Wer abends Kollagen aufbaut und es tagsüber ungeschützt der Sonne aussetzt, tritt auf der Stelle. Und je früher du damit anfängst, desto weniger musst du später reparieren lassen.
Behandlungen beim Arzt: Botulinum, Filler, Laser
Tiefe Falten im Gesicht lassen sich nur mit ärztlichen Verfahren sichtbar glätten, und auch hier richtet sich die Methode nach der Faltenart. Diese Eingriffe gehören in die Hände einer Fachärztin oder eines Facharztes für Dermatologie oder plastische Chirurgie.
- Botulinumtoxin lähmt gezielt einzelne Muskeln und glättet dadurch Mimikfalten wie Stirnfalten, Zornesfalte und Krähenfüße. Die Wirkung setzt nach einigen Tagen ein und hält etwa drei bis sechs Monate. Eine Zone kostet meist zwischen 200 und 400 Euro.
- Filler mit Hyaluronsäure füllen verlorenes Volumen auf und eignen sich für Schwerkraftfalten wie Nasolabial- und Marionettenfalten. Je nach Präparat hält das Ergebnis sechs bis achtzehn Monate, die Kosten liegen bei etwa 250 bis 600 Euro pro Milliliter.
- Laser und chemische Peelings verbessern die Hautoberfläche und regen die Kollagenbildung an. Sie wirken vor allem bei feinen Linien und Sonnenfalten und brauchen je nach Intensität einige Tage bis zwei Wochen Erholungszeit.
- Microneedling setzt feine Verletzungen, die die Haut zur Reparatur anregen. Es eignet sich für feine Linien und eine schlaffe Hautstruktur und ist vergleichsweise schonend.
Alle diese Verfahren sind Selbstzahlerleistungen. Seriöse Praxen nehmen sich Zeit für ein ausführliches Vorgespräch, klären über Risiken wie Blutergüsse, Schwellungen und in seltenen Fällen hängende Augenlider auf und raten auch einmal von einer Behandlung ab. Wer dir in fünf Minuten drei Zonen verkauft, hat dich nicht beraten.
Rauchen, Schlaf, Schlafposition: was der Alltag ausmacht
Nach der Sonne ist Rauchen der stärkste Beschleuniger für Falten im Gesicht. Eine Untersuchung an eineiigen Zwillingen (Guyuron et al., 2009, Plastic and Reconstructive Surgery) zeigte, dass der rauchende Zwilling im Schnitt älter aussah als der nicht rauchende, mit mehr Falten um Mund und Augen. Rauchen verengt die Blutgefäße, verschlechtert die Versorgung der Haut und setzt Enzyme frei, die Kollagen abbauen.
Auch die Schlafposition hinterlässt Spuren. Wer jede Nacht auf derselben Seite schläft, drückt das Gesicht stundenlang in dieselbe Falte. Bei junger Haut glättet sich das am Morgen, mit nachlassender Elastizität bleiben diese Schlaffalten zunehmend stehen. Sie verlaufen oft schräg über Stirn und Wange und lassen sich von Mimikfalten an ihrer Richtung unterscheiden. Rückenlage oder ein Kissenbezug aus glattem Material können helfen.
Ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und eine Ernährung mit viel Gemüse und Obst unterstützen die Haut zusätzlich, auch wenn ihre Wirkung auf Falten weniger klar belegt ist als die von Sonnenschutz und Nichtrauchen. Wer seine Falten im Gesicht langfristig im Zaum halten möchte, braucht dafür kein teures Programm. Täglicher Lichtschutz, abends ein Retinoid, nicht rauchen und genug Schlaf bringen mehr als jede Luxuscreme.
Häufige Fragen zu Falten im Gesicht
Können sich Falten wieder zurückbilden?
Feine Linien und Trockenheitsfältchen können sich mit guter Pflege und Retinoiden deutlich zurückbilden. Tiefe Falten verschwinden dagegen nicht von allein, weil Kollagen und Volumen fehlen. Sie lassen sich nur mit ärztlichen Verfahren wie Botulinumtoxin, Fillern oder Laser sichtbar glätten.
Was ist das stärkste Mittel gegen Falten?
Das am besten belegte Mittel gegen Falten ist täglicher Sonnenschutz, weil er den Hauptgrund der Hautalterung abschwächt. Unter den Wirkstoffen sind Retinoide am stärksten, allen voran das verschreibungspflichtige Tretinoin. Bei tiefen Mimikfalten wirkt Botulinumtoxin am deutlichsten.
Was sind aktinische Falten?
Aktinische Falten sind feine, netzartige Knitterfältchen, die durch langjährige UV-Strahlung entstehen. Sie treten vor allem auf Wangen, Hals und Dekolleté auf, oft zusammen mit Pigmentflecken. Retinoide, Sonnenschutz und Laserbehandlungen können sie verbessern.
Wie kann ich Stirnfalten reduzieren?
Feine Stirnfalten lassen sich mit Retinoiden und konsequentem Sonnenschutz über Monate abmildern. Tiefe Stirnfalten entstehen durch den Stirnmuskel und sprechen am besten auf Botulinumtoxin an, das den Muskel für drei bis sechs Monate entspannt. Cremes allein glätten sie nicht.