Manfred Pernice baut Skulpturen aus Spanplatten, Beton und Kacheln, und seit Jahrzehnten kommt er dabei auf eine Form zurück, die Dose. Was entsteht, erinnert an Kioske oder an Architekturmodelle, die jemand zu früh aus dem Büro getragen hat, und steht trotzdem im Museum of Modern Art und in der Tate Modern. Der Bildhauer aus Hildesheim war auf der documenta 11 und zweimal auf der Biennale in Venedig vertreten, seit 2012 lehrt er an der Universität der Künste Berlin.
| Name | Manfred Pernice |
|---|---|
| Geboren | 1963 in Hildesheim |
| Beruf | Bildhauer, Professor für Bildhauerei an der UdK Berlin |
| Ausbildung | Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (1984 bis 1987), Hochschule der Künste Berlin (1988 bis 1994, Meisterschüler) |
| Bekannt für | Dosen- und Containerskulpturen, „Tutti IV“ im Haus der Kunst München (2013) |
| Auszeichnung | ars viva (1998) |
| Lebt in | Berlin |
Studium in Braunschweig und Berlin
Manfred Pernice wurde 1963 in Hildesheim geboren und machte sein Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin bei Bonn. Studiert hat er gleich zweimal, erst von 1984 bis 1987 Grafik und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, dann Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin, der heutigen UdK, wo er 1994 als Meisterschüler abschloss. Die Zeichnung ist trotzdem geblieben. Schon seine erste Einzelausstellung hieß „Zeichnungen + Modelle“.
Gezeigt hat sie 1995 die Berliner Galerie Neu, die ihn bis heute vertritt. 1997 bekam er ein Arbeitsstipendium der Stadt Bremerhaven, 1998 eines des Berliner Senats und dazu den Förderpreis ars viva, von 2001 bis 2003 förderte ihn die Günther-Peill-Stiftung.
Pappe, Beton und Dosen
Seine Werkstoffe holt Manfred Pernice vom Bau und aus der Werkstatt, nicht aus dem Künstlerbedarf. Er arbeitet mit Pappe und Holz, mit Pressspan, Tischlerplatten, Kacheln, Eisenstäben und Beton. Viele Objekte erinnern an Architekturmodelle oder Gebrauchsgegenstände, und ihre Größe reicht von wenigen Kubikzentimetern bis zu Installationen, die einen ganzen Raum füllen. Eine Form taucht von Anfang an auf, das Behältnis, am liebsten die Dose. Im Jahr 2000 legte er in Hamburg einen „Dosenweg“ unter freiem Himmel an, im selben Jahr zeigte der Frankfurter Portikus sein „1a-Dosenfeld“.
Oft legt er Texte und Zeichnungen dazu, die den Ort ins Spiel bringen, an dem die Arbeit steht. Weggeworfen wird wenig. Pernice baut ältere eigene Arbeiten und vorhandenes Material in neue Werke ein, manche Skulptur wächst so über Jahre weiter. Der Kunstkritiker Peter Herbstreuth dachte bei diesen Arbeiten an Hans Scharoun. Ihm kam es vor, als hätte Pernice Vorstudien zur Berliner Philharmonie und zur Staatsbibliothek genommen, Werbeplaketten und Ansichtskarten daraufgeklebt und ihnen so das Vorläufige eines Entwurfs zurückgegeben.
Wie das im Freien aussieht, zeigt „Tür und Tor“ in Grafenegg in Niederösterreich, zu sehen auf dem Foto über diesem Artikel. Seit 2010 steht dort ein kleiner Ziegelbau mit Betontreppe zwischen zwei verwitterten barocken Torpfeilern, als hätte jemand ein Kassenhäuschen in die Einfahrt eines alten Anwesens gesetzt.
Stationen von der documenta bis zum Haus der Kunst
Innerhalb von sechs Jahren war Manfred Pernice auf den großen Überblicksschauen der Gegenwartskunst vertreten, 1997 auf der Biennale in Lyon, 1998 auf der ersten Berlin Biennale, 2001 und 2003 in Venedig und 2002 auf der documenta 11 in Kassel. Später kamen die Biennalen in Sevilla 2006 und São Paulo 2011 dazu, außerdem 2007 die Skulptur Projekte Münster, die nur alle zehn Jahre stattfinden.
Einzelausstellungen widmeten ihm unter anderem das Neue Museum in Nürnberg, wo 2008 mit „Que-Sah“ seine bis dahin größte Einzelpräsentation zu sehen war, im selben Jahr das Museum Ludwig in Köln, 2010 die Wiener Secession, 2011 das SMAK in Gent und 2016 das Kunstmuseum St. Gallen.
Wer 2013 in das Münchner Haus der Kunst ging, konnte eine Arbeit von Pernice sogar begehen. Für die Mittelhalle entstand als Auftragsarbeit „Tutti IV“, gebaut um seine architektonische Skulptur „Tutti“ von 2010 mit einer Wendeltreppe auf dem Dach. Von dort führte eine zweite Treppe auf eine Brücke quer durch die Halle, und von oben sahen die Besucher den Raum aus sechs Metern Höhe. Während der fast einjährigen Laufzeit griff Pernice immer wieder ein, fertig war die Installation also nie.
Heute besitzen unter anderem das Museum of Modern Art und das Guggenheim Museum in New York, die Tate Modern in London, das Museum Ludwig, das Kunstmuseum Wolfsburg und die Bundeskunstsammlung Arbeiten von ihm.
Professor in Wien und Berlin
Manfred Pernice lehrte von 2004 bis 2009 als Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2012 kehrte er an die Hochschule zurück, an der er selbst studiert hatte, und ist seitdem Professor für Bildhauerei am Institut Kunst der UdK Berlin. Er lebt und arbeitet in Berlin. Wer sich tiefer einlesen will, findet sein Werk in Künstlerbüchern wie „Die dritte Dimension“ von 2002 und „infrastructure“ von 2003, beide erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther König.
Was macht Manfred Pernice heute?
Manfred Pernice stellt weiter in dichter Folge aus, allein zwischen Mai 2025 und Juli 2026 an vier Orten in drei Ländern. Bei der Skulpturenschau Blickachsen 14 in Bad Homburg stand 2025 seine „Parkdose“ im Kurpark, ein grauer Betonbau zwischen Nachkriegskiosk und Kunstobjekt, der an Bunker und Brutalismus erinnert. Eine Handreichung des Künstlers gab das Werk als denkmalgeschütztes Gebäude aus den 1940er Jahren aus, eine Behauptung, die gut zu seinem Spiel mit dem Vorläufigen und Vorgefundenen passt.
Von November 2025 bis Januar 2026 zeigte die Galerie Neu in Berlin eine Einzelausstellung, von Januar bis Februar 2026 folgte „diary2“ im Schaufensterraum WINDOW der Anton Kern Gallery in New York. In Neapel lief von März bis Juli 2026 „emoZone“, laut der Fondazione Morra Greco seine erste institutionelle Ausstellung in Italien. Sie zeigte Arbeiten aus drei Jahrzehnten, darunter „Dresdner Stollen“ von 1997, und drehte sich um Poller, Bänke und Bauzäune, also um die Dinge, mit denen der öffentliche Raum geordnet und kontrolliert wird. Stand: September 2026.
Häufige Fragen zu Manfred Pernice
Wer ist Manfred Pernice?
Manfred Pernice ist ein deutscher Bildhauer, geboren 1963 in Hildesheim. Er lebt in Berlin und ist seit 2012 Professor für Bildhauerei an der Universität der Künste Berlin.
Woraus bestehen die Werke von Manfred Pernice?
Er arbeitet mit einfachen Materialien aus Bau und Handwerk, etwa Pappe, Holz, Pressspan, Tischlerplatten, Kacheln, Eisenstäben und Beton. Typisch für ihn sind Behältnisse, vor allem Dosen.
Wo lehrt Manfred Pernice?
Seit 2012 ist er Professor für Bildhauerei an der Universität der Künste Berlin. Von 2004 bis 2009 lehrte er an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Wo kann man Werke von Manfred Pernice sehen?
Arbeiten von ihm besitzen unter anderem das Museum of Modern Art und das Guggenheim Museum in New York, die Tate Modern in London, das Museum Ludwig in Köln und das Kunstmuseum Wolfsburg. Dauerhaft im Freien steht seine Arbeit „Tür und Tor“ in Grafenegg in Niederösterreich.