Samstag, 7. Juni 2026

Persönlichkeiten

Michael Manns: Leberforscher, MHH-Präsident und Vermächtnis

Michael Manns prägte die Hepatitisforschung und führte die MHH durch die Pandemie. Sein Werdegang, seine wichtigsten Studien und was von ihm bleibt.

Michael Manns in dunklem Anzug und lila Krawatte am Rednerpult mit Mikrofon

Foto: Bärbel Miemietz / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

Michael Manns (16. November 1951 bis 15. August 2025) zählte zu den meistzitierten Leberforschern der Welt. Fast drei Jahrzehnte leitete der Internist die Gastroenterologie der Medizinischen Hochschule Hannover, von 2019 bis 2024 stand er an der Spitze der ganzen Hochschule. Seit seinem Tod sind vor allem Nachrufe erschienen, die seine Ämter aufzählen. Spannender ist, was er in der Behandlung der Hepatitis tatsächlich verändert hat und warum mehr als zehn Lehrstühle auf seine Schule zurückgehen.

NameMichael Peter Manns
Geboren16. November 1951 in Koblenz
Gestorben15. August 2025
BerufInternist (Gastroenterologie, Hepatologie), Hochschullehrer
Bekannt fürForschung zu Hepatitis B, C und D sowie zur Autoimmunhepatitis, Präsident der MHH 2019 bis 2024
AuszeichnungenMitglied der Leopoldina, Großes Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens (2025), Paracelsus-Medaille (2026, posthum)

Herkunft und Ausbildung

Michael Peter Manns wurde am 16. November 1951 in Koblenz geboren. Medizin studierte er von 1970 bis 1976 in Wien und Mainz. In Mainz schrieb er eine experimentelle Doktorarbeit am Institut für Pharmakologie und wurde 1976 promoviert. Die Studienzeit blieb ihm in guter Erinnerung, noch 2021 zählte er im Porträt des Gutenberg-Netzwerks der Universität Mainz den Platz vor dem alten Mensagebäude zu seinen Lieblingsorten auf dem Campus.

Den entscheidenden Schub gab ihm sein Mentor Karl-Hermann Meyer zum Büschenfelde. Mit ihm ging Manns 1977 an das Klinikum Charlottenburg in Berlin, wo er bis 1981 blieb. Danach setzte er die Ausbildung zum Internisten in Mainz fort und wurde dort 1986 Professor. Zu seiner Laufbahn gehörte außerdem ein Forschungsaufenthalt am Autoimmune Disease Center der Scripps Clinic im kalifornischen La Jolla, und die Autoimmunerkrankungen der Leber ließen ihn danach nicht mehr los.

Der Leberforscher aus Hannover

Am 1. Oktober 1991 übernahm Michael Manns mit knapp 40 Jahren die Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie der MHH und leitete sie bis zum 31. März 2020. In diesen fast drei Jahrzehnten entstanden in Hannover Studien, nach denen Kliniken weltweit behandelt haben.

Die bekannteste erschien 2001 im Fachblatt „Lancet“, die Zulassungsstudie zu pegyliertem Interferon mit Ribavirin gegen Hepatitis C. Laut dem Nachruf seiner Klinik wurde sie mehr als 8.300 Mal zitiert, eine Zahl, die selbst in der Spitzenforschung selten ist. Bei der akuten Hepatitis C bestimmten seine Studien rund zwei Jahrzehnte lang die Standardtherapie. Für die Hepatitis D, die schwerste Form der Virushepatitis, leitete er mit HIDIT-1 und HIDIT-2 die bis dahin größten randomisierten Studien zu dieser Erkrankung.

Sein zweites großes Thema war die Autoimmunhepatitis, bei der das Immunsystem die eigene Leber angreift. Manns forschte zum Autoantigen LKM-1 und war Erstautor der einzigen großen randomisierten Studie, die 2010 die Standardbehandlung mit Prednisolon mit dem Wirkstoff Budesonid verglich. Mehr als 1.000 begutachtete Fachartikel tragen seinen Namen, und er gehörte zum obersten Prozent der meistzitierten Kliniker. Seinen Anspruch fasst ein Satz zusammen, den seine Schüler im Nachruf zitieren: „Viele sprechen von translationaler Forschung, wir machen sie.“

Netzwerker der Hepatologie

Studien allein reichten Michael Manns nicht, er wollte, dass ihre Ergebnisse auch in den Praxen ankommen. 2002 gründete er als Initiator und Sprecher das Kompetenznetz Hepatitis, kurz Hep-Net, das niedergelassene Ärzte, Unikliniken und Krankenhäuser der Regelversorgung zusammenbrachte. Ab 2006 führte er den Vorstand der Deutschen Leberstiftung.

Die Liste seiner Ämter reicht weit über Hannover hinaus. 2012 war er Präsident der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Leber, 2014 der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und 2016 bis 2017 der United European Gastroenterology. Am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung koordinierte er von Anfang an den Forschungsbereich Hepatitis, von 2015 bis 2018 war er klinischer Direktor des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. In Hannover baute er als Gründungsdirektor das Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin mit auf. Der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gehörte er seit 2002 an.

Präsident der MHH

Am 1. Januar 2019 wurde Michael Manns Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover, und gut ein Jahr später musste er die Universitätsklinik durch die Corona-Pandemie führen. In dieselbe Amtszeit fielen ein Generationswechsel an der Hochschule und die Planung des MHH-Neubaus, den er laut Stadt Hannover vorantrieb. Die Stadt beschrieb sein Ziel so, dass sich die MHH ständig weiterentwickeln und zu einem umfassenden Hannover Health Science Campus wachsen sollte.

Ende 2024 übergab er das Amt an Denise Hilfiker-Kleiner. Ganz los ließ ihn die Hochschule aber nicht. Ab Januar 2025 hatte er eine Seniorprofessur des Landes Niedersachsen und blieb seiner früheren Klinik eng verbunden, im April 2025 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens.

Privatleben

Aus seinem Privatleben ist wenig öffentlich. Im Porträt des Gutenberg-Netzwerks erzählte Michael Manns 2021, dass er seit 1976 verheiratet sei und vier Töchter habe. Seine Frau hatte wie er an der Universität Mainz studiert.

Tod und Vermächtnis

Michael Manns starb am 15. August 2025 im Alter von 73 Jahren. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und die Stadt Hannover teilten mit, dass er einer Tumorerkrankung erlag. Nach Angaben der Stadt forschte er trotz der Krankheit bis zuletzt an der MHH.

Was von ihm bleibt, sieht man am deutlichsten an seinen Schülern. Aus der sogenannten Manns-Schule gingen laut MHH-Nachruf mehr als zehn Lehrstühle im In- und Ausland hervor, dazu zahlreiche Chefarztstellen und spezialisierte Praxen. Einer dieser Schüler, Heiner Wedemeyer, sagte dem DZIF: „Michael Manns war mein Mentor, dafür bin ich ihm unendlich dankbar.“

Im Jahr nach seinem Tod würdigte ihn auch die Ärzteschaft. Beim 130. Deutschen Ärztetag 2026 in Hannover erhielt er posthum die Paracelsus-Medaille, die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft. Das Deutsche Ärzteblatt beschrieb ihn als Arzt und Wissenschaftler, der die Hepatologie in Deutschland und international über Jahrzehnte geprägt hat.

Häufige Fragen zu Michael Manns

Woran ist Michael Manns gestorben?

Michael Manns starb am 15. August 2025 im Alter von 73 Jahren an einer Tumorerkrankung. Das haben das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und die Stadt Hannover mitgeteilt.

Wann war Michael Manns Präsident der MHH?

Er war vom 1. Januar 2019 bis Ende 2024 Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover. Seine Nachfolgerin ist Denise Hilfiker-Kleiner.

Hatte Michael Manns Familie?

Ja. Michael Manns war seit 1976 verheiratet und Vater von vier Töchtern.

Wofür ist Michael Manns bekannt?

Michael Manns zählte zu den meistzitierten Leberforschern der Welt. Er prägte die Behandlung von Hepatitis C und D, forschte zur Autoimmunhepatitis und gründete 2002 das Kompetenznetz Hepatitis. Von 1991 bis 2020 leitete er die Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie der MHH.

Welche Auszeichnungen erhielt Michael Manns?

Er war seit 2002 Mitglied der Leopoldina und erhielt unter anderem 2002 den Robert-Pfleger-Forschungspreis, 2007 den Recognition Award der Europäischen Lebergesellschaft EASL, 2022 den Lifetime Achievement Award der United European Gastroenterology und 2025 das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens. 2026 wurde er posthum mit der Paracelsus-Medaille geehrt.

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