Wo Altöl entsorgen, wenn der Ölwechsel in der eigenen Garage erledigt ist? Am einfachsten dort, wo du das neue Öl gekauft hast, und zwar kostenlos, denn die Altölverordnung verpflichtet jeden, der Motor- oder Getriebeöl an Privatleute verkauft, zur Rücknahme. Wer den Kassenbon nicht mehr findet oder mehr loswerden will, als im Laden gekauft wurde, hat zwei weitere Möglichkeiten. Dazu kommen Ölfilter, Lappen und Kanister, die genauso wenig in den Hausmüll gehören, und die Frage, was aus dem abgegebenen Öl eigentlich wird.
Die drei kostenlosen Wege
Altöl aus dem privaten Ölwechsel lässt sich in Deutschland auf drei Wegen kostenlos und legal abgeben, beim Händler, am Wertstoffhof oder am Schadstoffmobil. Welcher am bequemsten ist, hängt davon ab, ob du noch den Kaufbeleg hast und wie viel Öl zusammengekommen ist.
Beim Händler. Baumärkte, Autoteilehändler, Tankstellen und auch Onlineshops, die Motoröl verkaufen, müssen gebrauchtes Öl in derselben Menge kostenlos zurücknehmen. Mit Kassenbon ist das der sicherste Weg, wobei die Annahmestelle nicht im Laden selbst sein muss. Oft hat der Händler einen Vertrag mit einer Werkstatt in der Nähe, auf die ein Aushang an der Kasse hinweist.
Am Wertstoffhof. Viele Recyclinghöfe der Städte und Landkreise nehmen Altöl in haushaltsüblichen Mengen an, meist ohne Gebühr. Was als haushaltsüblich gilt, legt jede Kommune selbst fest, häufig sind es fünf bis zwanzig Liter. Einige Höfe verlangen für größere Mengen eine Gebühr von wenigen Euro pro Liter, andere nehmen Altöl gar nicht an und verweisen auf den Handel. Ob dein Hof dazugehört, klärt ein Blick auf die Website des Abfallbetriebs oder in die Abfall-App in einer Minute.
Am Schadstoffmobil. Die mobilen Sammelstellen fahren in festen Abständen durch die Ortsteile und nehmen Problemabfälle wie Farben, Lösemittel, Batterien und oft auch Altöl in kleinen Mengen an. Die Termine stehen im Abfallkalender, und für jemanden ohne Auto ist das oft die praktischste Lösung.
Ohne Kassenbon nehmen manche Händler das Öl aus Kulanz trotzdem an, dürfen dafür aber eine Gebühr verlangen. Der ADAC nennt dafür etwa fünf bis fünfzehn Euro pro Liter. Für einen einzelnen Ölwechsel ist der Wertstoffhof dann meist günstiger.
Was der Handel laut Altölverordnung muss
Die Rücknahmepflicht steht in Paragraf 8 der Altölverordnung und ist erstaunlich konkret formuliert. Sie gilt für alle, die Verbrennungsmotoren- oder Getriebeöle gewerbsmäßig an Endverbraucher abgeben, also auch für Onlinehändler.
- Annahmestelle vorab. Wer Motoröl verkauft, muss vorher eine Annahmestelle einrichten oder vertraglich nachweisen, dass es eine gibt.
- Kostenlos. Die Annahme des gebrauchten Öls ist für den Käufer kostenlos.
- Mengenbegrenzung. Angenommen werden muss höchstens so viel Altöl, wie zuvor an Öl verkauft wurde. Wer fünf Liter gekauft hat, kann fünf Liter zurückgeben, nicht zwanzig.
- Zumutbare Entfernung. Liegt die Annahmestelle nicht am Verkaufsort, muss sie für den Käufer in zumutbarer Entfernung erreichbar sein. Eine feste Kilometerzahl nennt die Verordnung nicht.
- Hinweispflicht. Am Verkaufsort muss gut sichtbar auf die Annahmestelle hingewiesen werden.
- Zubehör inklusive. Die Pflicht gilt entsprechend auch für Ölfilter und ölhaltige Abfälle, die beim Ölwechsel regelmäßig anfallen.
Beim Onlinekauf gilt dieselbe Pflicht. Versandhändler müssen ebenfalls eine Annahmestelle benennen, häufig ist das eine Werkstattkette mit bundesweitem Filialnetz, bei der du das Altöl mit der Rechnung abgibst. Die Information steht meist in der Produktbeschreibung oder in den Versandbedingungen. Altöl per Post zurückzuschicken, ist dagegen keine gute Idee, denn es gilt als Gefahrgut, und kaum ein Paketdienst nimmt es an.
Die Annahmestelle muss außerdem so ausgestattet sein, dass dort ein Ölwechsel fachgerecht durchgeführt werden könnte. Deshalb nehmen Baumärkte das Altöl oft nicht selbst an, sondern auf eine Partnerwerkstatt verweisen. Ihre Pflicht erfüllen sie damit trotzdem, solange der Weg zumutbar bleibt. Wer an der Kasse abgewiesen wird und keinen Hinweis auf eine Annahmestelle bekommt, kann sich an das zuständige Umweltamt wenden.
Im Alltag hilft eine simple Gewohnheit. Heb den Kassenbon vom Ölkauf bei den Fahrzeugunterlagen auf, bis der nächste Ölwechsel erledigt ist, denn einen einfacheren Nachweis gibt es an der Annahmestelle nicht.
Ölfilter, Lappen und Kanister
Ölfilter, ölgetränkte Lappen und leere Ölkanister gehören nicht in den Hausmüll, sondern zusammen mit dem Altöl zur Annahmestelle. Die Altölverordnung bezieht sie ausdrücklich in die Rücknahmepflicht ein.
Ein gebrauchter Ölfilter ist auch nach dem Ausbau noch zu einem guten Teil mit Öl gefüllt, und das tropft beim Transport gern heraus. Lass ihn über Nacht mit der Öffnung nach unten über der Auffangwanne abtropfen und pack ihn dann in eine verschlossene Plastiktüte. Ölbindemittel, Putzlappen und Papiertücher sammelst du in einem eigenen Beutel. Leere Kanister verschließt du und gibst sie mit ab.
Die Auffangwanne selbst musst du nicht entsorgen. Wisch sie mit einem Lappen aus und verwende sie beim nächsten Mal wieder.
Was nicht zum Altöl gehört
Nicht alles, was ölig aussieht, ist rechtlich Altöl, und manche Flüssigkeiten haben im selben Kanister nichts verloren. Die Altölverordnung verbietet ausdrücklich, Altöle mit anderen Stoffen zu vermischen, weil sie sich sonst nicht mehr aufbereiten lassen.
- Bremsflüssigkeit und Kühlmittel sind keine Öle. Sie gehören getrennt in eigene Behälter und zum Schadstoffmobil oder Wertstoffhof.
- Benzin, Diesel und Lösemittel dürfen nie ins Altöl. Schon kleine Mengen machen eine ganze Charge für die Aufbereitung unbrauchbar.
- Speiseöl und Frittierfett sind kein Altöl im Sinne der Verordnung. Kleine Mengen kommen in einer verschlossenen Flasche in den Restmüll, größere Mengen nehmen viele Wertstoffhöfe an. In den Abfluss gehören sie nie, weil sie die Rohre verstopfen und Ratten anlocken.
- Heizöl aus einem stillgelegten Tank entsorgt ein Fachbetrieb, der auch die Tankreinigung übernimmt.
Motor- und Getriebeöl aus demselben Fahrzeug darfst du meist gemeinsam abgeben. Wenn du unsicher bist, füll sie in getrennte Behälter und sag an der Annahmestelle, was drin ist.
Transport und Lagerung
Altöl transportierst du am sichersten in einem dicht schließenden Kanister, am besten im leeren Originalbehälter des neuen Öls. Er ist für den Inhalt gemacht, trägt bereits die passende Beschriftung, und das Fassungsvermögen entspricht ungefähr der Menge, die du zurückgeben darfst.
Ungeeignet sind Getränkeflaschen, offene Eimer und Behälter ohne Schraubdeckel. Im Auto stellst du den Kanister aufrecht in den Kofferraum, idealerweise in eine Kiste oder Wanne, die bei einem Leck das Öl auffängt, und sicherst ihn gegen Umfallen. Bis zur Abgabe lagerst du Altöl kühl, trocken und für Kinder unerreichbar, nicht neben Lebensmitteln und nicht über Monate. Ein vergessener Kanister im Keller richtet selten Schaden an, aber er wird auch nicht besser, und irgendwann ist der Deckel spröde.
Für Betriebe gelten strengere Regeln. Werkstätten, Landwirtschaft und Industrie entsorgen Altöl über zugelassene Entsorgungsfachbetriebe. Altöl gilt dabei als gefährlicher Abfall, die Entsorgung wird über Nachweise dokumentiert, und je nach Menge sind die Unterlagen elektronisch zu führen.
Was aus dem Altöl wird
Aus Altöl kann wieder Schmieröl werden, und darin liegt der eigentliche Grund für den ganzen Aufwand. Die Altölverordnung gibt der Aufbereitung deshalb ausdrücklich Vorrang vor anderen Entsorgungswegen wie der Verbrennung.
Bei der Aufbereitung, auch Zweitraffination genannt, wird das gesammelte Öl zunächst von Wasser und groben Verunreinigungen befreit. Anschließend wird es destilliert und chemisch gereinigt, bis ein Basisöl entsteht, das in seiner Qualität frischem Grundöl aus Rohöl entspricht. Daraus werden neue Motor- und Industrieöle gemischt. In Deutschland betreibt unter anderem die Firma Avista Oil in Uelzen eine solche Anlage.
Für jeden Liter aufbereitetes Basisöl muss deutlich weniger Rohöl gefördert, transportiert und raffiniert werden, und weil Schmierstoffe nur einen kleinen Teil des Rohöls ausmachen, ist das Basisöl aus dem Kreislauf besonders wertvoll. Altöl, das sich wegen Verunreinigungen nicht aufbereiten lässt, wird energetisch verwertet, etwa in Zementwerken. Genau deshalb ist das Vermischungsverbot so wichtig, denn ein Kanister mit Bremsflüssigkeit oder Benzin kann einen ganzen Tank voll wertvollem Altöl in Brennstoff verwandeln.
Strafen bei falscher Entsorgung
Wer Altöl in die Kanalisation, in den Boden oder in Gewässer kippt, begeht je nach Menge und Folgen eine Ordnungswidrigkeit oder sogar eine Straftat. Die Bußgeldkataloge der Länder sehen für das unzulässige Lagern oder Ablagern Beträge von etwa 25 bis 25.000 Euro vor, für das Einleiten in Gewässer bis zu 50.000 Euro und für eine Verunreinigung des Grundwassers bis zu 100.000 Euro.
Die Beträge wirken hoch, bis man die Wirkung kennt. Nach Angaben des ADAC kann ein einziger Liter Altöl bis zu eine Million Liter Trinkwasser verunreinigen. Altöl enthält neben dem Öl selbst Verbrennungsrückstände, Metallabrieb und Zusätze, die im Boden lange erhalten bleiben. In der Kläranlage stört es die biologische Reinigungsstufe, und im Gewässer bildet schon eine kleine Menge einen dünnen Film, der den Sauerstoffaustausch behindert.
Auch der Hausmüll ist tabu. Im Restmüll geht der Rohstoff verloren, und ein Kanister, der in der Presse des Müllfahrzeugs platzt, verteilt das Öl über Fahrzeug, Straße und Kleidung der Müllwerker.
Häufige Fragen zur Altöl-Entsorgung
Was kostet es, 1 Liter Altöl zu entsorgen?
Mit Kassenbon ist die Rückgabe beim Händler kostenlos, auch am Wertstoffhof fallen für haushaltsübliche Mengen meist keine Gebühren an. Ohne Beleg verlangen Händler laut ADAC etwa fünf bis fünfzehn Euro pro Liter. Wertstoffhöfe berechnen für größere Mengen häufig wenige Euro pro Liter.
Kann man an Tankstellen Altöl entsorgen?
Tankstellen, die Motoröl verkaufen, müssen gebrauchtes Öl in der verkauften Menge zurücknehmen. Viele haben dafür einen Vertrag mit einer Annahmestelle in der Nähe, statt selbst anzunehmen. Ein Aushang am Verkaufsort muss auf diese Stelle hinweisen.
Kann ich Altöl ohne Kassenbon abgeben?
Ohne Kassenbon hast du gegenüber dem Händler keinen Anspruch auf kostenlose Rücknahme. Manche nehmen das Öl aus Kulanz gegen Gebühr an. Günstiger ist dann meist der kommunale Wertstoffhof oder das Schadstoffmobil, die haushaltsübliche Mengen häufig kostenlos annehmen.
Wie viel Altöl nimmt der Wertstoffhof an?
Die Menge legt jede Kommune selbst fest. Häufig sind es fünf bis zwanzig Liter pro Anlieferung kostenlos, darüber können Gebühren anfallen. Einige Wertstoffhöfe nehmen kein Altöl an und verweisen auf den Handel, deshalb lohnt sich vorher ein Blick auf die Website des Abfallbetriebs.