Seit März 2022 sitzt Sebastian Freitag an der Silbermannorgel der Dresdner Kathedrale, der größten und letzten Orgel aus der Werkstatt von Gottfried Silbermann. Kaum ein Instrument in Sachsen hat einen berühmteren Namen. Wer online nach ihm sucht, stößt trotzdem zuerst auf einen Fotografen und einen Fußballer gleichen Namens, deshalb hier der Domorganist selbst, mit Herkunft, Stationen und dem, was er in Dresden gerade spielt.
| Name | Sebastian Freitag |
|---|---|
| Geboren | 3. Januar 1986 in Paderborn |
| Beruf | Kirchenmusiker, Domorganist |
| Wirkungsort | Kathedrale Ss. Trinitatis Dresden (seit 2022) |
| Ausbildung | Kirchenmusik (A-Examen) und Orgel (Konzertexamen), Hochschule für Musik Detmold |
| Bekannt für | Gesamtaufführungen der Orgelwerke von Bach, Franck und Buxtehude |
Herkunft und Ausbildung in Detmold
Sebastian Freitag wurde am 3. Januar 1986 in Paderborn geboren und arbeitete dort auch die ersten gut zehn Jahre seines Berufslebens. Zum Studium ging er ins nahe Detmold, an die Hochschule für Musik, und belegte gleich zwei Studiengänge. In Kirchenmusik machte er das A-Examen, den höchsten Abschluss des Fachs, in Orgel das Konzertexamen.
Orgel lernte er bei Gerhard Weinberger und Martin Sander, Improvisation bei Tomasz Adam Nowak. Laut dem Bistum Dresden-Meißen kamen Meisterkurse bei Edgar Krapp, Michael Radulescu und Wolfgang Zerer hinzu. Gerade die Improvisation unterschätzt man leicht, dabei braucht ein Domorganist sie in jedem Gottesdienst, wenn er Lieder einleitet oder auf das reagiert, was gerade am Altar passiert.
Die Paderborner Jahre
Bevor er nach Dresden ging, hat Sebastian Freitag mehr als zehn Jahre die Kirchenmusik seiner Heimatstadt mitgeprägt. Von 2011 bis 2013 vertrat er als Interims-Domorganist die Stelle am Hohen Dom zu Paderborn. Im Oktober 2013 wurde er Dekanatskirchenmusiker und übernahm die künstlerische Leitung einer Konzertreihe, von 2017 bis 2021 kam ein Lehrauftrag für Orgel an der Universität Paderborn dazu.
Bekannt wurde er über Paderborn hinaus durch seine Konzertzyklen. 2018 spielte er in 15 Konzerten das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach. 2019 folgten sämtliche Orgelwerke von César Franck, 2021 das Gesamtwerk von Dietrich Buxtehude. Wer so etwas plant, nimmt sich viel vor. Allein Bachs Orgelwerk umfasst mehrere hundert Stücke, von kurzen Choralvorspielen bis zu den großen Präludien und Fugen.
Domorganist an der Silbermannorgel
Seit dem 1. März 2022 ist Sebastian Freitag Domorganist an der Kathedrale Ss. Trinitatis in Dresden, der früheren katholischen Hofkirche. Er trat die Nachfolge von Johannes Trümpler an, der das Amt von 2015 bis zum Sommer 2021 innehatte. Für die Bewerbung musste er ein halbstündiges Orgelkonzert spielen und eine Sonntagsmesse musikalisch gestalten. Fremd war ihm die Orgel da nicht mehr, 2019 hatte er sie schon als Gastorganist gespielt.
„Man geht mit Ehrfurcht an dieses Instrument“, sagte Freitag im Januar 2022 dem Bistum Dresden-Meißen. Man versteht ihn, wenn man die Geschichte des Instruments kennt. Gottfried Silbermann schloss den Bauvertrag mit dem Dresdner Hof Ende Juli 1750, starb aber 1753, bevor die Orgel fertig war. Geweiht wurde sie am 2. Februar 1755. Laut der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft ließ Propst Wilhelm Meier 1944 den Großteil der Orgel auslagern, Gehäuse und Balganlage verbrannten 1945 bei der Bombardierung Dresdens. Zwischen 1961 und 1971 baute die Dresdner Firma Jehmlich sie wieder auf. Bei der Restaurierung 2001 und 2002 holten Jehmlich und Kristian Wegscheider den Klang wieder näher an das Original heran. Heute hat die Orgel 47 Register auf drei Manualen.
Aufnahmen
Auf CD gibt es von Sebastian Freitag bisher zwei Aufnahmen. 2014 erschien beim Label Paschen Records „Sonorities – himmlische Klangwelten“, Werke für Cello und Orgel, eingespielt mit der Cellistin Jana Telgenbüscher. 2019 folgte eine Aufnahme mit Chor- und Orgelmusik aus der Pfarrkirche Mariä Geburt in Bad Laer. Laut seiner Vita hat er außerdem für Fernsehen und Rundfunk aufgenommen.
Was macht Sebastian Freitag heute?
Sebastian Freitag spielt weiterhin Gottesdienste und Konzerte an der Dresdner Kathedrale (Stand: Oktober 2026). 2025 hat er dort, wie schon 2018 in Paderborn, das gesamte Orgelwerk von Bach aufgeführt, diesmal an der Silbermannorgel. Im Dresdner Orgelzyklus der Kathedrale übernimmt er 2026 selbst vier Abende, den letzten am 14. Oktober, und dazu mehrere Sonderkonzerte. Im Juli 2026 spielte er alle sechs Orgelsonaten von Felix Mendelssohn Bartholdy, im September stand er mit seinen Vorgängern Hansjürgen Scholze und Thomas Lennartz unter dem Titel „Drei Generationen Dresdner Domorganisten“ auf dem Programm. Für den 16. Oktober 2026 ist ein Konzert mit Naturhörnern angekündigt, und auch für 2027 hat die Kathedrale ihn bereits mehrfach im Orgelzyklus eingeplant.
Seit dem Wintersemester 2024/25 unterrichtet er außerdem an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden. Laut der Dresdner Philharmonie lehrt er dort liturgisches Orgelspiel und Orgelliteraturspiel. Für die Studierenden ist das ein Gewinn, denn sie lernen bei jemandem, der jede Woche an einer der bekanntesten Barockorgeln Deutschlands sitzt.
Häufige Fragen zu Sebastian Freitag
Wie alt ist Sebastian Freitag?
Sebastian Freitag wurde am 3. Januar 1986 in Paderborn geboren.
Seit wann ist Sebastian Freitag Domorganist in Dresden?
Er ist seit dem 1. März 2022 Domorganist an der Kathedrale Ss. Trinitatis in Dresden. Vorher war er Dekanatskirchenmusiker in Paderborn.
Welche Orgel spielt Sebastian Freitag?
Er spielt die Silbermannorgel der Dresdner Kathedrale, geweiht 1755. Sie ist die größte und letzte Orgel aus der Werkstatt von Gottfried Silbermann und hat heute 47 Register auf drei Manualen.
Wo hat Sebastian Freitag studiert?
Er studierte Kirchenmusik und Orgel an der Hochschule für Musik Detmold bei Gerhard Weinberger, Martin Sander und Tomasz Adam Nowak. Er schloss mit dem A-Examen in Kirchenmusik und dem Konzertexamen Orgel ab.
Hat Sebastian Freitag CDs veröffentlicht?
Ja, zwei. 2014 erschien „Sonorities“ mit Werken für Cello und Orgel, 2019 eine Aufnahme mit Chor- und Orgelmusik aus Bad Laer.