Die Rohbaumaße für Zimmertüren sind in Deutschland genormt, und wer sie kennt, erlebt beim Einbau keine böse Überraschung. Die häufigste Innentür hat ein Türblatt von 860 × 1.985 Millimetern und braucht dafür eine Maueröffnung von rund 885 × 2.010 Millimetern. Die Höhe misst du dabei immer ab dem fertigen Fußboden, und genau dort passieren die meisten Fehler.
Rohbaumaß, Türblattmaß, Lichtmaß: die Begriffe
Bei Zimmertüren werden drei Maße ständig verwechselt, obwohl zwischen ihnen mehrere Zentimeter liegen. Mit dem Rohbaumaß, auch Wandöffnungs- oder Maueröffnungsmaß genannt, ist das Loch in der Wand gemeint, in das die Zarge kommt. Bestellt wird im Handel dagegen nach dem Türblattmaß, also der Größe der Tür selbst. Und was bei geöffneter Tür zum Durchgehen bleibt, heißt Lichtmaß oder lichte Durchgangsbreite.
Dahinter stehen zwei Normen. DIN 18100 legt die Wandöffnungen fest und baut auf dem Baurichtmaß auf, einem Raster von 12,5 Zentimetern, nach dem in Deutschland traditionell gebaut wird. DIN 18101 normiert die Türblätter und Zargen, die in diese Öffnungen passen. Das Rohbaumaß fällt etwas größer aus als das Baurichtmaß, weil der Monteur Luft für Ausrichtung und Montageschaum braucht.
Tabelle: Rohbaumaße für Zimmertüren nach DIN
Aus den Normen ergeben sich für die gängigen Innentüren diese Standardmaße. Die Werte gelten für Holzzargen mit gefälztem Türblatt, wie sie in Wohnräumen üblich sind (DIN 18101, Wohnungsinnentüren aus Holz).
| Türblatt (B × H) | Baurichtmaß | Rohbaumaß (Maueröffnung) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| 610 × 1.985 mm | 625 × 2.000 mm | ca. 635 × 2.010 mm | Abstellraum, Gäste-WC |
| 735 × 1.985 mm | 750 × 2.000 mm | ca. 760 × 2.010 mm | Bad, Altbau-Zimmer |
| 860 × 1.985 mm | 875 × 2.000 mm | ca. 885 × 2.010 mm | Standard für Wohnräume |
| 985 × 1.985 mm | 1.000 × 2.000 mm | ca. 1.010 × 2.010 mm | Barrierefrei, Durchgänge |
| 860 × 2.110 mm | 875 × 2.125 mm | ca. 885 × 2.135 mm | Überhöhe im Neubau |
Im Neubau setzt sich die Höhe von 2.110 Millimetern immer mehr durch, weil Räume damit großzügiger wirken, und sie passt zu allen Breiten. Wer barrierefrei bauen will, braucht nach DIN 18040 eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 90 Zentimetern, und die erreichst du erst mit dem Türblatt von 985 Millimetern.
Im Altbau stimmen diese Werte oft nicht, denn vor den Normen hat jeder Maurer nach eigenem Gusto gebaut. Dort landest du meist bei Sondermaßen oder musst die Wandöffnung anpassen lassen.
So misst du die Wandöffnung richtig
Die Wandöffnung misst du in Breite, Höhe und Wandstärke, und zwar jeweils an mehreren Stellen, denn kaum eine Öffnung ist exakt rechtwinklig. Bei Breite und Höhe zählt der kleinste Wert, bei der Wandstärke der größte.
- Breite oben, in der Mitte und unten messen, von Mauerkante zu Mauerkante.
- Höhe links, in der Mitte und rechts messen, immer ab der Oberkante des fertigen Fußbodens bis zum Sturz.
- Wandstärke an mindestens drei Stellen messen, und zwar inklusive Putz und Fliesen, also so, wie die Wand später fertig dasteht.
- Alle Werte notieren und mit der Tabelle abgleichen. Liegt die Öffnung zwischen zwei Normmaßen, ist das kleinere Maß meist die bessere Wahl, weil sich eine zu große Öffnung leichter auffüttern als eine zu kleine erweitern lässt.
Die Wandstärke bestimmt die Zargenbreite. Moderne Zargen lassen sich um einige Millimeter verstellen, aber nicht beliebig. Die Wandstärke aus dem Bauplan abzuschreiben, ist ein klassischer Fehler, weil Putz und Fliesen dort oft gar nicht eingerechnet sind.
Bodenbelag einrechnen: die häufigste Fehlerquelle
Die Türhöhe bezieht sich immer auf den fertigen Fußboden, also mit Fliesen, Parkett oder Laminat. Misst du im Rohbau oder mitten in der Sanierung, ziehst du die Stärke des künftigen Bodenaufbaus ab, sonst bestellst du die Tür zu hoch.
Für die Stärke von Belag und Unterlage kannst du mit diesen Werten rechnen.
- Fliesen inklusive Kleber, etwa 10 bis 20 Millimeter
- Laminat mit Trittschalldämmung, etwa 9 bis 14 Millimeter
- Klick-Vinyl, etwa 5 bis 8 Millimeter
- Parkett mit Unterlage, etwa 14 bis 25 Millimeter
- Teppichboden, etwa 5 bis 10 Millimeter
Liegt noch gar kein Estrich, hilft der Meterriss weiter, einer Markierung genau einen Meter über der Oberkante des fertigen Fußbodens, die der Bauleiter an den Wänden anbringt. Von dieser Linie aus misst du bis zum Sturz und addierst einen Meter. Wer gerade den Boden plant, findet Hinweise zur Verlegerichtung im Artikel Laminat verlegen: Welche Richtung ist die richtige für deinen Raum?.
DIN links oder DIN rechts: die Öffnungsrichtung
Neben den Maßen musst du beim Bestellen angeben, ob die Tür DIN links oder DIN rechts angeschlagen ist. Die Regel ist einfach, sobald man sie einmal verstanden hat. Du stellst dich auf die Seite, zu der sich die Tür öffnet, also so, dass du sie zu dir heranziehst. Sitzen die Scharniere dann links, ist es eine DIN-links-Tür, sitzen sie rechts, eine DIN-rechts-Tür.
Welche Richtung sinnvoll ist, hängt vom Raum ab. Eine Zimmertür sollte sich in den Raum hinein öffnen und gegen die nächstgelegene Wand schlagen, damit sie im offenen Zustand nicht mitten im Zimmer steht und den Lichtschalter nicht verdeckt. Beim Bad gilt eine Ausnahme, die im Ernstfall wichtig ist. Öffnet sich die Badtür nach außen, kann sie auch dann noch geöffnet werden, wenn jemand gestürzt ist und von innen dagegen liegt.
Lichtschalter, Heizkörper und Möbel geben die Richtung oft schon vor. Wer im Neubau plant, sollte die Öffnungsrichtung deshalb gemeinsam mit der Elektroplanung festlegen, damit der Schalter auf der Seite der Türklinke sitzt und nicht hinter dem offenen Türblatt verschwindet.
Wenn die Wandöffnung nicht zum Normmaß passt
Passt eine Wandöffnung nicht zum Normmaß, gibt es drei Wege, und der günstigste ist selten die Sondertür. Ist die Öffnung etwas zu groß, lässt sie sich mit Mauerwerk, Gipskarton oder Holzleisten auffüttern, bis eine Normzarge passt. Die Zarge deckt die Übergänge anschließend ab, und von außen ist nichts zu sehen.
Ist die Öffnung zu klein, muss sie vergrößert werden. Bei Trockenbauwänden ist das schnell erledigt, bei gemauerten Wänden kommt es darauf an, ob die Wand tragend ist. An tragenden Wänden darf nur nach Rücksprache mit einem Statiker gearbeitet werden, weil der Sturz über der Öffnung die Last abfängt. Für nicht tragende Innenwände reicht oft ein Maurer oder ein geübter Heimwerker mit dem richtigen Werkzeug.
Erst wenn beides nicht sinnvoll ist, etwa bei denkmalgeschützten Altbautüren oder historischen Kassettentüren, lohnt sich eine Anfertigung nach Maß. Sie kostet oft das Doppelte einer Normtür und hat längere Lieferzeiten. Wer den Dachboden ausbaut und dort neue Türen braucht, findet weitere Planungsschritte im Artikel Dachboden ausbauen: Was vor dem ersten Handgriff wirklich zählt.
Alte Türen austauschen: messen an der bestehenden Zarge
Wer nur das Türblatt tauscht und die Zarge behält, misst das alte Türblatt, nicht die Wandöffnung. Breite und Höhe nimmst du an der Außenkante des Falzes ab, also dort, wo das Türblatt auf der Zarge aufliegt. Notiere außerdem Bandsitz und Schlosshöhe, damit die neue Tür in die vorhandenen Scharniere passt.
Kommt die komplette Tür samt Zarge raus, misst du die Zargentiefe innen im Durchgang und ziehst die Bekleidung ab, die beidseitig auf der Wand aufliegt. Im Zweifel lohnt es sich, die alte Zarge an einer unauffälligen Stelle zu lösen und die echte Wandöffnung freizulegen. Das kostet zehn Minuten und erspart eine Rücksendung.
Zarge, Türblatt und Bodenluft: die Details beim Einbau
Zwischen Türblatt und fertigem Fußboden bleibt bei Zimmertüren eine kleine Fuge, die sogenannte Bodenluft. Sie liegt bei Normtüren meist bei etwa sieben Millimetern und sorgt dafür, dass die Tür über Teppich oder Fußmatten schwingt und Luft zwischen den Räumen zirkulieren kann. In Bädern ohne Fenster und Räumen mit kontrollierter Wohnraumlüftung ist dieser Spalt oft sogar vorgeschrieben oder bewusst größer, damit die Lüftung funktioniert.
Die Zarge selbst besteht bei modernen Innentüren meist aus einem Futter, das die Wandstärke umschließt, und zwei Bekleidungen, die auf beiden Wandseiten aufliegen. Bei Umfassungszargen wird sie mit Montageschaum und Spreizen in der Öffnung fixiert. Wer die Tür selbst einbaut, sollte zuerst die Zarge exakt senkrecht ausrichten und den Schaum vollständig aushärten lassen, bevor das Türblatt eingehängt wird. Schief eingebaute Zargen sind die häufigste Ursache für Türen, die von allein auf- oder zufallen.
Für Bäder lohnt sich eine Tür mit Feuchtraumeignung, deren Kanten gegen Quellen geschützt sind. Für Arbeitszimmer und Schlafräume an lauten Fluren gibt es Schallschutztüren mit schwererer Füllung und Absenkdichtung, die beim Schließen automatisch den Bodenspalt abdichtet.
Ein letzter praktischer Tipp betrifft die Bestellung. Notiere für jede Tür im Haus Raum, Rohbaumaß, Wandstärke, Anschlagrichtung und gewünschte Ausstattung in einer Tabelle. Händler und Schreiner können damit ein genaues Angebot machen, und du vermeidest, dass eine Tür in falscher Richtung oder mit falscher Zargenbreite geliefert wird.
Wer die Maße einmal sauber aufgenommen hat, kann Angebote mehrerer Händler direkt vergleichen.
Häufige Fragen zu Rohbaumaßen von Zimmertüren
Welches Rohbaumaß braucht eine 86er Tür?
Eine Zimmertür mit 860 Millimetern Türblattbreite und Standardhöhe braucht ein Rohbaumaß von etwa 885 × 2.010 Millimetern. Das entspricht dem Baurichtmaß von 875 × 2.000 Millimetern plus Montageluft.
Haben Zimmertüren Standardmaße?
Ja, in Deutschland sind Innentüren nach DIN 18101 genormt. Die üblichen Türblattbreiten sind 610, 735, 860 und 985 Millimeter, die Höhen 1.985 und 2.110 Millimeter. Daneben gibt es Sondermaße für Altbauten.
Was ist das lichte Maß bei Türen?
Das lichte Maß ist die tatsächlich nutzbare Durchgangsbreite und Durchgangshöhe bei geöffneter Tür, gemessen zwischen den Zargen. Es ist kleiner als Türblatt- und Rohbaumaß und entscheidend für Barrierefreiheit, Möbeltransport und Rollstühle.
Wird die Türhöhe ab Estrich oder ab fertigem Boden gemessen?
Immer ab der Oberkante des fertigen Fußbodens. Wer auf dem Estrich misst, muss die Stärke des geplanten Bodenbelags abziehen, sonst passt die Tür nach dem Verlegen nicht mehr.
Welche Wandstärke braucht man für eine Standardzarge?
Zargen gibt es für Wandstärken von etwa 60 bis über 300 Millimeter, meist in Stufen von 20 Millimetern mit einigen Millimetern Verstellbereich. Gemessen wird die fertige Wand mit Putz und Fliesen, und zwar an der dicksten Stelle.