Eine Nachtabsenkung der Heizung spart in einem schlecht gedämmten Haus mit Gas- oder Ölheizung spürbar Energie, in einem Neubau mit Wärmepumpe und Fußbodenheizung dagegen kaum etwas. Es kommt also auf Gebäude und Heizsystem an und darauf, wie stark und wie lange du absenkst. Smarte Thermostate machen das bequemer, sparsamer wird die Heizung dadurch aber nicht von selbst.
Wie die Nachtabsenkung funktioniert
Bei der Nachtabsenkung reduziert die Heizung zu festgelegten Zeiten die Vorlauftemperatur oder die Zieltemperatur in den Räumen, meist während der Schlafenszeit. Weil ein kühleres Haus weniger Wärme nach außen verliert, sinkt der Energiebedarf in diesen Stunden. Morgens muss die Heizung die Räume wieder aufwärmen, und an diesem Wiederaufheizen hängt, ob unterm Strich etwas übrig bleibt.
Umsetzen lässt sich die Absenkung auf zwei Wegen. Zentral stellst du sie am Heizkessel oder an der Regelung der Wärmepumpe ein, die dann für das ganze Haus die Heizkurve verschiebt. Dezentral übernehmen programmierbare oder smarte Thermostate an den einzelnen Heizkörpern das Absenken, Raum für Raum und mit eigenen Zeitplänen.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Faustregel tagsüber 20 bis 22 Grad in Wohnräumen, im Schlafzimmer 16 bis 19 Grad. Nachts sollte kein bewohnter Raum unter 16 Grad fallen, weil sonst die Wände zu stark auskühlen und sich Feuchtigkeit niederschlägt (Verbraucherzentrale Energieberatung, Nachtabsenkung).
Wie viel eine Nachtabsenkung spart
In Einfamilienhäusern spart eine konsequente Nachtabsenkung nach Angaben der Verbraucherzentrale etwa 5 bis 12 Prozent Heizenergie gegenüber durchgehendem Heizen. Ans obere Ende kommen vor allem schlecht gedämmte Altbauten mit Heizkörpern und leichter Bauweise, die nachts viel Wärme verlieren würden und morgens schnell wieder warm sind.
Bei einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr und einem Preis von etwa 11 Cent je Kilowattstunde entsprechen 8 Prozent Ersparnis rund 175 Euro. Für zehn Minuten am Heizungsregler ist das ein ordentlicher Lohn, frieren muss dafür niemand.
Viel hängt auch an der Dauer. Ein oder zwei Stunden bringen fast nichts, weil die Räume in dieser Zeit kaum auskühlen. Lohnend wird es ab etwa sechs Stunden, typischerweise zwischen 22 und 6 Uhr, mit drei bis fünf Grad weniger.
Wann sie wenig bringt: Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Neubau
Bei Wärmepumpen, Fußbodenheizungen und gut gedämmten Neubauten bringt eine Nachtabsenkung wenig oder kostet sogar mehr, als sie spart. Die Gründe sind jeweils andere.
- Wärmepumpe. Sie arbeitet am effizientesten mit niedriger, gleichmäßiger Vorlauftemperatur. Muss sie morgens schnell wieder aufheizen, fährt sie hohe Vorlauftemperaturen und schaltet im schlimmsten Fall den elektrischen Heizstab zu. Dann frisst der Morgen auf, was die Nacht gespart hat.
- Fußbodenheizung. Der Estrich speichert viel Wärme und reagiert träge. Bis die Absenkung im Raum ankommt, ist die Nacht fast vorbei, und das Aufheizen dauert Stunden.
- Gut gedämmte Häuser. Sie verlieren nachts ohnehin kaum Wärme, die Raumtemperatur sinkt auch ohne Absenkung nur langsam. Viel zu holen ist da nicht.
Bei Wärmepumpen raten Hersteller wie Viessmann und Vaillant deshalb, lieber die Heizkurve insgesamt sauber einzustellen und auf die Nachtabsenkung zu verzichten oder sie auf ein bis zwei Grad zu begrenzen. Wer zum Alltag mit einer Wärmepumpe mehr wissen will, findet Praxisberichte im Artikel Wärmepumpe Erfahrungen: Was Messdaten und Besitzer über den Alltag verraten.
So stellst du die Nachtabsenkung an der Heizung ein
An den meisten Gas- und Ölheizungen stellst du die Nachtabsenkung über das Zeitprogramm des Heizungsreglers ein, der am Kessel selbst oder als Raumbediengerät im Wohnzimmer sitzt. Das Symbol dafür ist bei vielen Herstellern ein Mond, der Tagbetrieb wird mit einer Sonne angezeigt. Im Zeitprogramm legst du fest, wann die Heizung vom Normalbetrieb in den reduzierten Betrieb wechselt und wann sie morgens wieder hochfährt.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Absenkbetrieb und Abschaltbetrieb. Im Absenkbetrieb läuft die Heizung mit niedrigerer Vorlauf- oder Raumtemperatur weiter. Im Abschaltbetrieb, oft „Eco“ genannt, geht sie ganz aus und springt nur an, wenn eine Frostschutzgrenze unterschritten wird. Der Abschaltbetrieb spart in schlecht gedämmten Häusern am meisten, lässt die Räume aber auch stärker auskühlen. Für die meisten Haushalte ist der Absenkbetrieb der bessere Kompromiss.
Beim Startzeitpunkt am Morgen lohnt es sich, ein paar Tage zu beobachten. Ist es um 6.30 Uhr im Bad noch zu kalt, verschiebst du den Wechsel in den Tagbetrieb eine halbe Stunde nach vorn. Moderne Regler mit Optimierungsfunktion lernen selbst, wie lange das Haus zum Aufheizen braucht, und starten entsprechend früher. Das Warmwasser hat übrigens meist ein eigenes Zeitprogramm, das du ebenfalls an deinen Tagesablauf anpassen kannst.
Findest du die Einstellungen nicht, hilft die Bedienungsanleitung, die viele Hersteller als PDF auf ihrer Website bereitstellen. Bei der jährlichen Wartung kann auch der Heizungsbauer die Absenkung einstellen und dabei gleich die Heizkurve prüfen, die oft seit dem Einbau auf Werkseinstellung steht.
Smarte Thermostate: bequemer, aber nicht automatisch sparsamer
Smarte Heizkörperthermostate setzen die Nachtabsenkung raumweise um und lassen sich per App oder Sprachbefehl steuern. Bekannte Systeme sind etwa Fritz!DECT, Homematic IP, tado und Bosch Smart Home, je nach Hersteller mit eigener Zentrale oder direkter WLAN-Verbindung. Ein Thermostat kostet zwischen etwa 40 und 80 Euro, dazu kommt bei manchen Systemen eine Basisstation.
Spannend werden sie erst durch alles, was über die reine Nachtabsenkung hinausgeht. Zeitpläne pro Raum heizen das Bad morgens, das Arbeitszimmer nur werktags und das Gästezimmer gar nicht. Eine Fenster-offen-Erkennung dreht die Heizung beim Lüften herunter. Geofencing senkt die Temperatur, wenn alle das Haus verlassen haben, und heizt vor, wenn jemand auf dem Heimweg ist.
Ob sich das rechnet, entscheidet dein bisheriges Verhalten. Wer abends ohnehin die Thermostate von Hand herunterdreht und beim Lüften an die Heizung denkt, spart mit smarter Technik kaum etwas zusätzlich, ehrlich gesagt. Wer dagegen bisher alle Räume rund um die Uhr gleich warm hält, holt die Anschaffung oft in ein bis zwei Heizperioden wieder herein. Und solange der Kessel im Keller nachts weiter auf voller Leistung läuft, bringen smarte Thermostate an den Heizkörpern weniger als eine sauber angepasste Heizkurve.
Schimmel vermeiden: Absenken und Lüften zusammen denken
Wer nachts absenkt, muss morgens umso konsequenter lüften, denn kühlere Wände nehmen die Feuchtigkeit aus der Raumluft leichter auf. Pro Nacht gibt ein schlafender Mensch rund einen viertel Liter Wasser über Atem und Haut ab, im Schlafzimmer eines Paares kommt also schnell ein halber Liter zusammen. Dieser Dampf muss raus, bevor er sich an der kältesten Stelle des Raumes niederschlägt, meist in Ecken, hinter Schränken oder an Fensterlaibungen.
Am wirksamsten ist Stoßlüften direkt nach dem Aufstehen, fünf bis zehn Minuten mit weit geöffnetem Fenster, im Winter auch kürzer. Gekippte Fenster lassen dagegen den Sturz über dem Fenster auskühlen, ohne die Luft wirklich auszutauschen. Ein günstiges Hygrometer zeigt, ob die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer morgens über 60 Prozent liegt. Ist das regelmäßig der Fall, solltest du die Absenkung im Schlafzimmer reduzieren oder die Tür zu wärmeren Räumen tagsüber geschlossen halten, damit keine feuchte Luft in kalte Räume zieht.
Schlafzimmer an Außenwänden in schlecht gedämmten Altbauten sind besonders anfällig. Dort ist eine Absenkung auf 17 statt 16 Grad oft der bessere Kompromiss aus Ersparnis und Bauschutz.
Nachtabsenkung im Mietrecht
Vermieter dürfen eine zentrale Nachtabsenkung programmieren, müssen aber Mindesttemperaturen einhalten. Nach gängiger Rechtsprechung, etwa des Landgerichts Berlin, müssen Wohnräume tagsüber 20 bis 22 Grad und nachts zwischen 23 und 6 Uhr mindestens 17 bis 18 Grad erreichen können. Senkt der Vermieter stärker ab, kann das ein Mangel sein, der eine Mietminderung rechtfertigt.
Mieter selbst können in ihrer Wohnung frei entscheiden, wie stark sie mit den Heizkörperthermostaten absenken. Sie müssen aber ausreichend heizen und lüften, um Schimmel zu vermeiden, sonst haften sie im Zweifel für Schäden. An der 16-Grad-Grenze aus der Energieberatung kannst du dich deshalb auch rechtlich gut festhalten. Wer über eine Fußbodenheizung im Altbau nachdenkt, findet die Kosten im Artikel Fußbodenheizung nachrüsten Kosten: Was realistisch auf dich zukommt.
Auch der hydraulische Abgleich spielt hinein. In vielen Häusern bekommen die Heizkörper nahe am Kessel zu viel und die entfernten zu wenig warmes Wasser. Morgens werden dann einige Räume schnell warm, andere bleiben stundenlang kühl, und die Bewohner drehen die Vorlauftemperatur insgesamt hoch, was den Spareffekt der Nachtabsenkung wieder auffrisst. Ein Heizungsbauer gleicht das System für einige hundert Euro ab, oft gibt es dafür Förderung, und die Heizung arbeitet danach gleichmäßiger und sparsamer.
Wer sich unsicher ist, ob die Nachtabsenkung in seinem Haus etwas bringt, kann es einfach ausprobieren. Notiere über zwei vergleichbare Winterwochen den Gas- oder Stromzählerstand, einmal mit und einmal ohne Absenkung, bei ähnlichen Außentemperaturen. Das Ergebnis ist zwar keine Laborstudie, zeigt aber zuverlässig, in welche Richtung es in deinem Haus geht.
Häufige Fragen zur Nachtabsenkung der Heizung
Um wie viel Grad sollte man nachts absenken?
Bei Heizkörpern und konventioneller Heizung sind drei bis fünf Grad Raumtemperatur ein guter Wert, also etwa von 21 auf 17 Grad. Bei Wärmepumpen und Fußbodenheizungen reichen ein bis zwei Grad oder gar keine Absenkung. Kein bewohnter Raum sollte unter 16 Grad fallen.
Ist es günstiger, die Heizung den ganzen Tag laufen zu lassen?
Bei Wärmepumpen, Fußbodenheizungen und sehr gut gedämmten Häusern ist ein gleichmäßiger Betrieb oft günstiger. In schlecht gedämmten Altbauten mit Gas- oder Ölheizung und Heizkörpern spart eine nächtliche Absenkung dagegen Energie, weil weniger Wärme verloren geht.
Ist eine Nachtabsenkung der Heizung in Mietwohnungen erlaubt?
Ja, Vermieter dürfen zentral absenken, solange nachts mindestens 17 bis 18 Grad erreichbar bleiben. Tagsüber muss die Heizung 20 bis 22 Grad in Wohnräumen schaffen. Unterschreitet die Anlage diese Werte, liegt ein Mangel vor.
Warum springt die Heizung trotz Nachtabsenkung an?
Das ist meist gewollt. Die Regelung hält auch in der Absenkphase eine Mindesttemperatur und schützt die Anlage vor Frost. Außerdem bereiten viele Heizungen nachts Warmwasser oder starten vor Ende der Absenkzeit mit dem Aufheizen, damit es morgens rechtzeitig warm ist.
Sollte man die Heizung nachts ganz ausschalten?
Meist nicht. Ganz ausgeschaltete Heizungen lassen Räume in schlecht gedämmten Häusern stark auskühlen, was Schimmel begünstigt und das Aufheizen am Morgen verteuert. Besser ist eine Absenkung um drei bis fünf Grad, wobei kein Raum unter 16 Grad fallen sollte.