Volkswagen hat den Fehler an der Lenkungsverschraubung nach Angaben des „Handelsblatts" bereits seit Oktober 2024 untersucht. Wegen dieses Fehlers ruft der Konzern derzeit weltweit 4,64 Millionen Fahrzeuge zurück. Das Blatt beruft sich auf einen Bericht, den Volkswagen bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eingereicht hat.
Demnach wurde im Oktober 2024 der erste Fall einer korrodierten Befestigungsschraube am Lenkgetriebe bekannt. Als potenziell sicherheitsrelevant stufte der Konzern den Defekt erst im September 2026 ein und beschloss daraufhin den Rückruf. Betroffen sind Modelle von Volkswagen, Audi, Seat und Škoda. Zählt man die bisher genannten Zahlen der vier Marken zusammen, müssen in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Autos in die Werkstatt. Die Halter bekommen Post vom Hersteller, die Reparatur kostet sie nichts.
Was VW laut dem Bericht an die US-Behörde wusste
Volkswagen betont nach Angaben des Handelsblatts, dass für die Untersuchung zunächst nur wenige einzelne Schadensfälle vorlagen. Ein Personenschaden ist dem Konzern bis heute nicht bekannt. Die NHTSA schätzt laut dem Bericht, dass nur rund ein Prozent der in den USA erfassten Fahrzeuge den Defekt tatsächlich aufweist. Auf eine ähnliche Quote kam die Fachzeitschrift auto motor und sport schon zum Start des Rückrufs, dort war von höchstens einem Prozent beschädigter Fahrzeuge die Rede.
Der Bericht an die NHTSA selbst ist bislang nicht öffentlich einsehbar. Warum zwischen dem ersten bekannten Fall und der Einstufung als Sicherheitsmangel knapp zwei Jahre lagen, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Welche Modelle in Deutschland betroffen sind
Der Rückruf läuft beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unter vier Referenznummern, je Marke eine:
| Marke | Modelle | Produktionszeitraum | Fahrzeuge in Deutschland | KBA-Nr. / Herstellercode |
|---|---|---|---|---|
| Volkswagen | Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran, Caddy | 24.09.2013 bis 01.07.2024 | 895.832 | 17016R / 48VS |
| Audi | Q3 | 31.10.2017 bis 23.05.2024 | gut 58.500 | 17014R / 48LG |
| Seat | Ateca, Tarraco | April 2016 bis September 2024 | 43.574 | 17017R / 48T7 |
| Škoda | Kodiaq, Karoq, Octavia, Superb | November 2015 bis August 2026 | 370.347 | 17091R / 48LS |
Škoda kam als letzte Marke dazu, der ADAC meldete die Erweiterung am 2. Oktober. Nach Angaben des Clubs sind damit erstmals auch Fahrzeuge betroffen, die noch keine drei Monate alt sind. Weltweit ruft Škoda 1.719.030 Autos zurück, Volkswagen laut KBA 2.159.054.
Kann die Lenkung ausfallen?
Im ungünstigsten Fall ja. Nach Herstellerangaben kann die Befestigungsschraube nach langjährigem Betrieb in Gegenden mit Streusalz korrodieren und abreißen, laut auto motor und sport dringt dabei Feuchtigkeit in die Verschraubung des Lenkgetriebes ein. Das Lenkgetriebe ist dann nur noch an einem weiteren Punkt mit dem Vorderachsträger verbunden. Unter hoher Belastung kann das Gehäuse beschädigt werden, sodass sich das Auto nicht mehr lenken lässt. Kritisch sind nach dem Bericht vor allem das Einparken und langsames Rangieren, weil dabei hohe Kräfte auf die Lenkung wirken.
Sach- oder Personenschäden im Zusammenhang mit dem Mangel sind in Deutschland laut Herstellerangaben bislang nicht bekannt.
Was Halter jetzt tun sollten
Ob das eigene Auto betroffen ist, lässt sich über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer klären, bei der Vertragswerkstatt oder über die Hotlines der Hersteller:
- Volkswagen: 0800 8655 792 436
- Audi: 0800 2834 7378 423
- Škoda: 0800 4424 244
- Seat: 06150 1079991
In die Werkstatt müssen Halter, sobald sie die Aufforderung des Herstellers erhalten haben. Dort wird die Schraube in jedem Fall ersetzt, unabhängig von ihrem Zustand. Ob die Autos bis zum Werkstatttermin ohne Einschränkung gefahren werden können, dazu machen die Hersteller in den vorliegenden Mitteilungen keine Angaben.
Warum manche Autos zweimal in die Werkstatt müssen
Die neu entwickelte, korrosionsbeständigere Schraube ist laut Volkswagen noch nicht in ausreichender Zahl verfügbar. Bei einem Teil der Fahrzeuge wird deshalb zunächst eine neue Schraube des bisherigen Typs eingebaut. Die überarbeitete Variante wird nach Konzernangaben bereits produziert und nach und nach an die Werkstätten ausgeliefert. Wer beim ersten Termin die alte Bauart bekommt, muss für den zweiten Austausch nach Angaben des ADAC nicht sofort zurück, sondern erst beim nächsten Kundendienst.


