Samstag, 7. Juni 2026

Persönlichkeiten

Frank Giering: Filme, Karriere und sein früher Tod

Frank Giering wurde mit „Funny Games“ bekannt und spielte in „Absolute Giganten“ und „Der Kriminalist“. Seine wichtigsten Filme und sein Tod mit 38 Jahren.

Gedenktafel an einem Brückengeländer mit der Inschrift In Erinnerung an Frank Giering, ein absoluter Gigant

Foto: Rose4630 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten

Frank Giering (23. November 1971 bis 23. Juni 2010) spielte vor allem Figuren, mit denen man nicht allein im Raum sein möchte, und meist so leise, dass sie umso mehr verstörten. Als höflicher Killer in Michael Hanekes „Funny Games“ wurde er über Nacht bekannt, als Floyd in „Absolute Giganten“ gelang ihm der endgültige Durchbruch. Er starb mit 38 Jahren, mitten in den Dreharbeiten zur ZDF-Serie „Der Kriminalist“.

NameFrank Giering
Geboren23. November 1971 in Magdeburg
Gestorben23. Juni 2010 in Berlin
BerufSchauspieler
Bekannt ausFunny Games (1997), Absolute Giganten (1999), Baader (2002), Der Kriminalist (2006 bis 2010)
AuszeichnungBester Darsteller beim Filmfest Sotschi 2000 (mit Florian Lukas und Antoine Monot Jr.)
GrabNeustädter Friedhof, Magdeburg

Herkunft und Ausbildung

Frank Giering kam am 23. November 1971 in Magdeburg zur Welt und wuchs dort auf. Seine ersten Erfahrungen auf der Bühne sammelte er als Komparse am Maxim-Gorki-Theater der Stadt. Nach Abitur und Zivildienst ging er an die Westfälische Schauspielschule in Bochum und wechselte nach einem Jahr an die Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg.

Einen Abschluss machte er auch dort nicht, weil er die Übungen nach eigenen Worten für psychisch und physisch fragwürdig hielt. Wie knapp seine Laufbahn an einem Zufall hing, erzählte der Tagesspiegel im Februar 2010. Als sein Bafög wegfiel, half ihm eine Mitarbeiterin des Sozialamts weiter, und so konnte er in Babelsberg doch noch den „Woyzeck“ spielen. Aus dieser Rolle ergab sich sein erstes Angebot fürs Fernsehen, was Giering selbst „Gottes Fügung“ nannte.

Durchbruch mit „Funny Games“ und „Absolute Giganten“

Nach einer Spielzeit am Staatstheater Cottbus bekam er 1995 seine erste Hauptrolle, im Fernsehfilm „Der Verräter“. Darin spielte er einen unsicheren Jugendlichen, der in die Neonazi-Szene gerät. Michael Haneke sah den Film und holte ihn gleich für zwei Projekte, die Kafka-Verfilmung „Das Schloß“ und „Funny Games“, beide 1997. Der sanfte Ton, mit dem Gierings Killer seine Opfer quält, ist bis heute das Unheimlichste an diesem Film.

Zwei Jahre später folgte Sebastian Schippers „Absolute Giganten“. Giering spielte Floyd, der vor seinem Abschied aus Hamburg eine letzte Nacht mit seinen Freunden verbringt, und wurde dafür mit Florian Lukas und Antoine Monot Jr. beim Filmfest in Sotschi als bester Darsteller ausgezeichnet. Den Tischfußballer Snake spielte Jochen Nickel, mit dem Giering im Jahr darauf auch einen Kurzfilm drehte.

Danach bekam er vor allem Außenseiter angeboten. In „Gran Paradiso“ war er der Neonazi Edwin, neben Ken Duken, und erhielt 2001 eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller. 2002 spielte er in „Baader“ den RAF-Gründer Andreas Baader, 2004 brachte ihm „Der Mörder ist unter uns“ eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis ein.

Rückzug ins Fernsehen und „Der Kriminalist“

Sowohl „Baader“ als auch Romuald Karmakars Kammerspiel „Die Nacht singt ihre Lieder“ liefen auf der Berlinale, und beide Male fiel die Kritik zum Teil hart aus. Giering zog sich danach weitgehend vom Kino zurück. Im Fernsehen fühlte er sich nach eigener Aussage weniger angreifbar. Zur Bühne hatte er ohnehin ein gespaltenes Verhältnis, denn vor der Kamera konnte er Gefühle zeigen, die im Theater höchstens die erste Reihe mitbekommen hätte.

In diese Zeit fällt auch der ARD-Zweiteiler „Störtebeker“ von 2006, mit Ken Duken in der Titelrolle. Mit Giering standen dort unter anderem Antonio Wannek, Jochen Nickel und die junge Paula Riemann vor der Kamera.

Ab 2006 spielte er an der Seite von Christian Berkel in der ZDF-Serie „Der Kriminalist“ den Kommissar Henry Weber. Nach Jahren als Mörder, Neonazi und Terrorist stand er damit zum ersten Mal dauerhaft auf der Seite der Ermittler. Dass ihm das lag, passt zu dem, was der Tagesspiegel im Februar 2010 über ihn schrieb, nämlich dass er trotz der harten Figuren „mehr die leisen Töne“ liebte.

Tod im Juni 2010

Frank Giering starb am 23. Juni 2010 im Alter von 38 Jahren in seiner Berliner Wohnung. Seine Agentur nannte als Ursache eine akute Gallenkolik. Beigesetzt wurde er am 9. Juli 2010 auf dem Neustädter Friedhof in Magdeburg.

Weil er während der laufenden Dreharbeiten starb, ließ das ZDF auch Henry Weber in „Der Kriminalist“ sterben. Man wollte der Figur kein erfundenes Ende anhängen, eine Entscheidung, die viel Respekt vor dem Schauspieler zeigt.

Was von Frank Giering bleibt

An der Hubbrücke in Magdeburg erinnert eine Tafel an ihn. Die Inschrift greift den Titel seines bekanntesten Films auf und nennt ihn „ein absoluter Gigant“.

Geblieben sind vor allem seine Rollen. In rund 15 Jahren vor der Kamera spielte er Killer, Neonazis, einen Terroristen und zuletzt einen stillen Kommissar, fast immer Menschen, die nicht in die Welt um sie herum passen. Wer „Funny Games“ oder „Absolute Giganten“ heute zum ersten Mal sieht, versteht schnell, warum gerade er diese Figuren bekam.

Häufige Fragen zu Frank Giering

Wann ist Frank Giering gestorben?

Frank Giering starb am 23. Juni 2010 in Berlin, er wurde 38 Jahre alt.

Woran ist Frank Giering gestorben?

Nach Angaben seiner Agentur starb er an einer akuten Gallenkolik.

Wo ist Frank Giering begraben?

Er wurde am 9. Juli 2010 auf dem Neustädter Friedhof in seiner Geburtsstadt Magdeburg beigesetzt.

Welche Rolle spielte Frank Giering in „Der Kriminalist“?

Von 2006 bis 2010 spielte er Kommissar Henry Weber, den Kollegen der Hauptfigur von Christian Berkel. Nach Gierings Tod ließ die Serie auch die Figur sterben.

In welchen Filmen spielte Frank Giering?

Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Das Schloß“ und „Funny Games“ (1997), „Absolute Giganten“ (1999), „Gran Paradiso“, „Baader“ (2002), „Die Nacht singt ihre Lieder“ (2004) und der Zweiteiler „Störtebeker“ (2006).

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