Samstag, 7. Juni 2026

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Kondom-Rückruf in Europa: Einhorn, My Lubie und sechs weitere Marken betroffen

Frankreich zieht rund sieben Millionen ultradünne Kondome aus dem Verkehr, die für den EU-Markt bestimmt waren. Fertigungsmängel können dazu führen, dass die Kondome reißen oder Löcher bekommen. Betroffen sind 15 Produkte eines malaysischen Herstellers. Ob die Chargen auch in Deutschland verkauft wurden, ist bislang nicht bekannt, eine deutsche Behördenwarnung gibt es noch nicht.

Hand hält mehrere eingeschweißte Kondome mit roten, blauen und gelben Ringen vor einem graublauen Hintergrund

Foto: cottonbro studio / Pexels

Die französischen Behörden haben am 30. Oktober Import und Verkauf von 15 ultradünnen Latexkondomen des malaysischen Herstellers Richter Rubber Technology gestoppt und den Rückruf bereits verkaufter Ware angeordnet. Für die EU geht es laut der Verbraucherschutzbehörde DGCCRF um rund sieben Millionen Kondome, nur ein Teil davon wurde in Frankreich verkauft. Auf der französischen Rückrufliste stehen acht Marken, darunter Einhorn und My Lubie.

Nach Angaben der DGCCRF kann das Herstellungsverfahren der Ultradünn-Reihe dazu führen, dass Dicke und Qualität des Latexfilms schwanken. Die Kondome können dadurch platzen oder Löcher bekommen. Als Folgen nennt die Rückrufplattform Rappel Conso die Übertragung sexuell übertragbarer Infektionen und ungewollte Schwangerschaften. Das Import- und Verkaufsverbot gilt zunächst ein Jahr und kann verlängert werden.

Welche Marken und Chargen auf der französischen Rückrufliste stehen

Rappel Conso führt je Marke die Produkte, Chargen und Haltbarkeitsdaten auf. Maßgeblich ist die Chargennummer auf der Packung, denn die Liste nennt einzelne Produkte und Chargen und nicht das gesamte Sortiment der Marken.

MarkeProduktCharge (haltbar bis)
EinhornCondoms Magic4RRI015, 4RRI016, 4RRI672 (28.01.2029), 4RRI872 (29.08.2029)
EinhornCondoms Magic Singles5RRI303 (29.05.2030), 5RRI1223 (29.10.2030)
EinhornCondoms Classico5RRI195 (14.01.2030)
My LubieUltra fin2RRI0089 (31.10.2027), 3RRI474 (29.05.2028), 3RRI849 (29.09.2028), 4RRI244 (28.02.2029), 4RRI569, 4RRI659 (29.05.2029), 4RRI1239 (29.10.2029), 5RRI043 (01.12.2029), 5RRI269 (27.01.2030), 5RRI333 (28.02.2030), 5RRI1234 (29.10.2030)
AmorPreventivo Feelings5312 (28.02.2030), 5526, 5661, 5662 (29.06.2030)
AmorJoydivision Super Thin 536044 (27.01.2031)
AmorNaked Tested & Rolled5641 (01.05.2030)
PrimerosInnocent5974 (29.08.2030)
PrimerosCondom Innocent CZSK Ultra Thin 536207 (29.12.2030), 6341 (14.01.2031)
PrimerosCondom Softglide CZSK Ultra Thin 536208 (29.12.2030), 6342 (14.01.2031)
You+MeDarling5981 (29.08.2030)
You+MeDarling CEE Ultra Thin 536RRI214 (29.12.2030)
ReleafReleaf 1's & 9's4RRI317 (28.02.2029)
R&SVitalis Premium Super Thin41178 (29.10.2029)
ON)Super Thin5995 (29.07.2030)

Die Nachrichtenagentur dpa nennt zusätzlich die Marke Adloran. In den Einträgen auf Rappel Conso steht sie nicht, Releaf und ON) dagegen fehlen in der dpa-Aufzählung.

Ob die Kondome auch in Deutschland verkauft wurden, ist offen

Eine eigene Warnung deutscher Behörden gab es nach dpa-Angaben vom 30. Oktober zunächst nicht. Ebenso fehlen Informationen darüber, wo und in welchem Umfang die Produkte in Deutschland verkauft wurden. Die Einträge auf Rappel Conso beschreiben nur den Verkauf in Frankreich, über Onlineshops und im stationären Handel.

Als Bevollmächtigten des Herstellers nennt der französische Erlass laut AFP die deutsche RRT Vertrieb und Service GmbH. Einhorn Classico gehört außerdem zum Sortiment deutscher Drogerien. Ob die aufgeführten Chargen dort verkauft wurden, lässt sich daraus nicht ableiten, dazu liegen bislang keine Angaben vor.

Was die französischen Behörden Betroffenen raten

Für Deutschland gibt es bislang keine eigene behördliche Empfehlung, die folgenden Hinweise stammen aus Frankreich.

  • Kondome der aufgeführten Chargen nicht mehr verwenden.
  • Die Verkaufsstelle kontaktieren. Genaue Angaben zu Rückgabe oder Erstattung enthalten die Einträge nicht.
  • Wer betroffene Kondome benutzt hat, sollte sich in einem medizinischen Labor auf sexuell übertragbare Infektionen testen lassen.
  • Bei ausbleibender Periode wird zusätzlich ein Schwangerschaftstest empfohlen.
  • Bei Fragen ist die Hausarztpraxis die Anlaufstelle, in Frankreich auch die spezialisierten Zentren CeGIDD.

Die Behörden weisen darauf hin, dass sich betroffene Kondome noch im Handel oder im Besitz von Nutzern befinden können. Bei My Lubie steht die Chargennummer laut Unternehmen unter der Verschlusslasche neben dem Haltbarkeitsdatum.

So weitete sich der Kondom-Rückruf seit dem Sommer aus

Zwischen Ende Mai und Anfang August rief Frankreich zunächst zwei Produkte zurück, die online und im Handel verkauft wurden. Das betraf nach dpa-Angaben im Land rund 300.000 Kondome. Am 3. August erschien auf Rappel Conso eine Charge von My Lubie mit der Nummer 5RRI891, verkauft unter anderem über Amazon, Apotheken und Monoprix. Das Unternehmen erklärte damals, Rückstellproben seien bei einer erneuten Prüfung unauffällig gewesen.

Seit diesen Rückrufen meldeten acht Nutzer Risse, die sich den untersuchten Chargen zuordnen ließen. Der französische Erlass erwähnt außerdem ungewollte Schwangerschaften, ohne eine Zahl zu nennen. Die sieben Millionen Kondome für die EU entsprechen rund sechs Prozent der gut 115 Millionen Stück, die 2024 allein in Frankreich verkauft wurden.

Eine öffentliche Stellungnahme von Richter Rubber Technology oder Einhorn war bis zum Erscheinen dieser Meldung nicht auffindbar.

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