Samstag, 7. Juni 2026

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Smartwatches überschätzen den Kalorienverbrauch: Apple, Garmin, Samsung und Fitbit im Labortest

Vier verbreitete Fitnessuhren haben im Labor der Florida International University teils deutlich zu viele Kalorien angezeigt. Bei Garmin und Samsung lag die Anzeige im Schnitt am weitesten über dem tatsächlichen Verbrauch. Je höher der Körperfettanteil der Teilnehmenden, desto größer fiel der Fehler aus. Die Forscher raten, sich beim Training an der Herzfrequenz zu orientieren.

Zwei Personen mit Handtüchern über den Schultern stehen nach dem Training auf einer Wiese und sehen auf die Fitnessuhren an ihren Handgelenken

Foto: Ketut Subiyanto / Pexels

Ein Forschungsteam der Florida International University hat die Kalorienanzeige von vier Smartwatches gegen ein Atemgasanalysegerät geprüft. Bei der Garmin Forerunner 955 lag die Anzeige im Mittel um 68,61 Kilokalorien über dem tatsächlich gemessenen Verbrauch, bezogen auf eine zehnminütige Belastung auf dem Ergometer.

Getestet wurden die Apple Watch Series 8, die Fitbit Sense 2, die Samsung Galaxy Watch 5 und die Garmin Forerunner 955. 58 Erwachsene, 31 Frauen und 27 Männer im Durchschnittsalter von 23 Jahren, trugen die Uhren während eines standardisierten Intervalltrainings. Den tatsächlichen Verbrauch maß ein COSMED K5, ein mobiles Atemgasanalysesystem aus dem Sportlabor, dazu kam ein Polar-H10-Brustgurt für die Herzfrequenz. Erschienen ist die Untersuchung am 29. Juli 2026 in der Fachzeitschrift PLOS ONE.

Relevant ist das für alle, die ihre Ernährung an der Kalorienanzeige ihrer Uhr ausrichten. Wer den angezeigten Verbrauch als verdiente Zusatzportion einplant, rechnet mit einem Wert, der im Test bei allen vier Geräten über dem Laborwert lag.

So weit lagen die vier Uhren daneben

Die Studie berichtet zwei Kennzahlen. Der Bias zeigt, in welche Richtung ein Gerät systematisch abweicht, positive Werte stehen für eine Überschätzung. Die mittlere absolute Abweichung zeigt, wie weit die Anzeige unabhängig von der Richtung vom Laborwert entfernt lag.

GerätBias in kcalMittlere absolute Abweichung in kcal
Apple Watch Series 821,6036,63
Samsung Galaxy Watch 556,7642,03
Garmin Forerunner 95568,6155,86
Fitbit Sense 23,14 ohne Ausreißer, 128,6 mit Ausreißern40,95

Der Fitbit-Wert ist der auffälligste der Tabelle und zugleich der, der am wenigsten für Genauigkeit spricht. Die Sense 2 lieferte einzelne extrem abweichende Messwerte. Rechnet man diese Ausreißer heraus, sinkt der systematische Fehler auf 3,14 Kilokalorien, mit ihnen liegt er bei 128,6. Die mittlere absolute Abweichung von 40,95 Kilokalorien zeigt, dass die Anzeige im Einzelfall trotzdem weit danebenlag.

In Prozent gerechnet liegt der typische Fehler nach Angaben der Universität je nach Marke und Modell zwischen 15 und 25 Prozent. Am besten schnitt die Apple Watch ab. Am deutlichsten überschätzten Garmin und Samsung.

Warum der Körperfettanteil den Fehler vergrößert

Der Körperfettanteil hatte einen statistisch bedeutsamen Einfluss auf die Größe des Fehlers. Zusätzlich fanden die Forscher eine Wechselwirkung zwischen Gerät und Körperfettanteil, das heißt, die Geräte reagierten unterschiedlich stark darauf. Am steilsten stieg der Fehler bei Fitbit und Garmin, bei Apple fiel der Anstieg flacher aus.

Praktisch heißt das, dass die Anzeige nicht für alle Nutzer gleich ungenau ausfällt. Wer einen höheren Körperfettanteil hat, bekommt die stärker verfälschten Werte. Damit trifft die Ungenauigkeit ausgerechnet die Gruppe härter, für die eine belastbare Kalorienbilanz beim Abnehmen den größten Unterschied macht.

Wie Smartwatches den Verbrauch überhaupt schätzen

Eine Smartwatch misst keine Kalorien. Sie misst Bewegung über Beschleunigungssensoren und den Puls über eine optische Messung am Handgelenk, bei der grünes Licht in die Haut gestrahlt und der reflektierte Anteil ausgewertet wird. Aus diesen Signalen und den hinterlegten Angaben zu Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht errechnet ein herstellereigener Algorithmus einen Schätzwert.

Genau dieser Algorithmus bleibt für die Forschung eine Blackbox. Die Studienautoren halten fest, dass sich wegen der proprietären Rechenwege nicht bestimmen lässt, woher die Fehlermuster im Einzelnen stammen. Studienleiter Jason Kostrna wird von seiner Universität mit den Worten zitiert, bei der Entwicklung dieser Algorithmen sei nicht bekannt, woher die Testdaten stammten.

Was die Studie nicht zeigt

Die Untersuchung prüfte eine einzige Belastungsform, zehn Minuten auf dem Liegeergometer mit wechselnden Intervallen bei moderater und höherer Intensität, eingerahmt von jeweils fünf Minuten Ruhe. Ob die Uhren beim Laufen, beim Krafttraining oder im Alltag ähnlich abweichen, lässt sich daraus nicht ableiten. Die Autoren benennen diese Einschränkung selbst.

Die Stichprobe bestand aus hispanischen Erwachsenen mit den Hauttypen III bis V nach Fitzpatrick. Einen belastbaren eigenständigen Effekt des Hauttons auf die Genauigkeit der Kalorienschätzung fand die Studie nicht. Die Autoren ordnen ein, dass der Hautton unter standardisierten Bedingungen einen geringeren oder uneinheitlicheren Einfluss haben dürfte als der Körperfettanteil. Für den Hauttyp V war die Zahl der Teilnehmenden allerdings zu klein für eine belastbare Aussage.

Hinzu kommt, dass die Studie vier konkrete Modelle geprüft hat. Ob neuere Generationen derselben Hersteller genauer rechnen, ist damit nicht beantwortet.

Finanziert wurde die Untersuchung über eine Pilotförderung der National Science Foundation im Programm PATHS-UP. Die Autoren geben an, keine Interessenkonflikte zu haben.

Worauf beim Training mehr Verlass ist

Die Forscher raten davon ab, die Kalorienzahl als exakten Wert zu behandeln. Kostrna wird von der Universität mit der Empfehlung zitiert, sich stattdessen an der Herzfrequenz und an der Zeit in den einzelnen Herzfrequenzzonen zu orientieren, weil diese Werte etwas Konkretes liefern, mit dem sich arbeiten lässt. Als zweite Empfehlung nennt die Universität, den eigenen Verlauf über längere Zeit zu verfolgen, statt einzelne Tageswerte für bare Münze zu nehmen.

Wer die Anzeige für die Ernährungsplanung nutzt, fährt nach dieser Logik besser, wenn er den Wert bewusst konservativ nach unten rundet, statt die volle angezeigte Menge einzurechnen.

Quellen

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