49 Prozent der 18- bis 30-Jährigen in Deutschland gehen davon aus, im Alter eine gesetzliche Rente zu bekommen. Im Vorjahr waren es 56 Prozent. Das ist das Ergebnis einer forsa-Umfrage im Auftrag von ING Deutschland und Visa, die am 20. August veröffentlicht wurde.
Befragt wurden im Juni 2026 rund 1.000 Verbraucher zwischen 18 und 30 Jahren. 79 Prozent von ihnen machen sich Sorgen um ihre Altersvorsorge oder fürchten Altersarmut. Nur 5 Prozent vertrauen darauf, dass die staatliche Rente reichen wird. Gleichzeitig fällt das Interesse am Altersvorsorgedepot hoch aus, das zum 1. Januar 2027 an den Start geht.
Was die Umfrage über die Erwartungen der 18- bis 30-Jährigen zeigt
65 Prozent der Befragten halten das Altersvorsorgedepot für attraktiv. Bekannt ist es allerdings ungleich verteilt. 66 Prozent der jungen Männer haben davon gehört, bei den jungen Frauen sind es 50 Prozent.
Gespart wird ohnehin breit. 92 Prozent legen Geld zurück oder an, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Als Sparziel steht der Notfallfonds mit 64 Prozent vorn, gefolgt von finanzieller Unabhängigkeit mit 54 Prozent und der Altersvorsorge mit 53 Prozent. Deutlich zurückgegangen ist der Immobilienkauf, den noch 30 Prozent als Ziel nennen nach 40 Prozent im Jahr zuvor.
Die Umfrage stammt von zwei Unternehmen, die selbst Produkte für die Geldanlage anbieten. ING Deutschland und Visa haben forsa beauftragt, die Befragung war nach Angaben der Auftraggeber repräsentativ und lief online.
Was das Altersvorsorgedepot ist
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Vertrag für die private Altersvorsorge, der ohne Beitragsgarantie auskommt. Angelegt wird das Geld über den Anbieter, etwa in Fonds und ETFs. Kapitalerträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei, versteuert wird erst in der Auszahlungsphase.
Damit löst das Depot das bisherige Riester-Sparen ab. Bereits abgeschlossene Riester-Verträge laufen weiter und werden nicht automatisch gekündigt. Neue Riester-Verträge lassen sich ab 2027 nicht mehr abschließen.
Wie hoch die Zulagen ausfallen
Die Grundzulage richtet sich nach der Höhe der eigenen Einzahlung. Für die ersten 360 Euro im Jahr legt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro dazu, macht bis zu 180 Euro. Für den Bereich von 360,01 bis 1.800 Euro sind es 25 Cent je Euro, macht bis zu 360 Euro. Zusammen ergibt das eine Grundzulage von höchstens 540 Euro im Jahr.
Wer Kinder hat, bekommt zusätzlich bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Nach Angaben der Bundesregierung wird diese Kinderzulage schon ab einem eigenen Sparbeitrag von 25 Euro im Monat gewährt. Für junge Sparer gibt es außerdem einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro, einmalig für Verträge, die vor dem 25. Geburtstag abgeschlossen werden.
Einzahlen lassen sich bis zu 6.840 Euro im Jahr. Gefördert wird davon nur der Anteil bis 1.800 Euro.
Welche Bedingungen an der Förderung hängen
Auf eine Garantie der eingezahlten Beiträge verzichtet das Altersvorsorgedepot ausdrücklich. Das ist der Kern des Modells, weil erst der Verzicht die Anlage in Fonds und andere renditeorientierte Produkte möglich macht. Kursschwankungen wirken sich damit unmittelbar auf das angesparte Kapital aus.
Gebunden ist das Geld bis ins Rentenalter. Ausgezahlt wird frühestens ab 65 Jahren, unter bestimmten Bedingungen ab 62. Zur Wahl stehen eine lebenslange Leibrente und ein Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen muss. Beim Auszahlungsplan ist das Guthaben vererbbar.
Ein Anbieterwechsel ist nach fünf Jahren kostenfrei möglich, und ein Vertrag lässt sich ruhen lassen. Für das öffentlich verwaltete Standarddepot hat der Gesetzgeber die Kosten auf 1,0 Prozent begrenzt. Im ursprünglichen Entwurf waren 1,5 Prozent vorgesehen.
Wie weit das Gesetz ist
Das Altersvorsorgereformgesetz hat der Bundestag am 27. März 2026 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD beschlossen. Die Linke stimmte dagegen, AfD und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu, in Kraft getreten ist das Gesetz Ende Mai.
Anbieter dürfen die neuen Produkte ab dem 1. Januar 2027 verkaufen. Bis dahin gibt es kein förderfähiges Altersvorsorgedepot, das sich abschließen ließe.
Was aus den Depotdaten der ING hervorgeht
Neben der Umfrage hat die Bank anonymisierte Daten von rund 1,1 Millionen jungen Kundinnen und Kunden aus dem Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026 ausgewertet. 47 Prozent der jungen Depotkunden sparen demnach regelmäßig über einen Wertpapiersparplan, im Durchschnitt mit 365 Euro im Monat nach 351 Euro im Vorjahr. 90 Prozent dieser Einzahlungen fließen in börsengehandelte Indexfonds, im Vorjahr waren es 88 Prozent.
Das durchschnittliche Depotvolumen stieg binnen eines Jahres von 14.600 auf 17.800 Euro. „Die private Altersvorsorge wird dann erfolgreich sein, wenn Menschen tatsächlich ins Handeln kommen", sagt Lars Stoy, Vorstandsvorsitzender der ING Deutschland.


